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Der Begriff einer elliptischen Kurve über einem Ring
erweist sich als sehr nützlich. Doch auf den ersten Blick mag es verwunderlich
erscheinen, elliptische Kurven über einem Ring zu betrachten, wo wir
doch spätestens bei der Addition von Punkten sehr stark auf die Körperstruktur
angewiesen waren. Deswegen sehen wir von der Gruppenstruktur ab, und
betrachten eine elliptische Kurve über dem Ring
erstmal
als eine Menge von Punkten, die einer bestimmten Gleichung genügen.
Definition 3.1
Sei

eine positive ganze Zahl mit

.
Eine
elliptische Kurve über

ist gegeben
durch die Gleichung
wobei

und

.
Die Menge der Punkte auf

wird als

bezeichnet. Es sind die Lösungen der Gleichung
3.1 in

zusammen mit dem unendlich fernen Punkt

.
Es sei nun
ein Primteiler von
, und bezeichne
den Rest von
modulo
.
ist dann die Gleichung einer elliptischen Kurve über dem Körper
.
Zu einem Punkt
definieren wir
. Zu
definieren wir
als den unendlich
fernen Punkt
in
.
Offenbar gilt
.
Wie am Anfang des Abschnittes angemerkt, wird es uns kaum gelingen
eine Gruppenstruktur auf
zu bekommen.
Trotz allem definieren wir eine Pseudo-Addition wie in der Definition
1.2. Wir werden versuchen Formel 1.2 anzuwenden,
solange wir keinen undefinierten Ausdruck erhalten, d.h. solange der
Fall
nicht eintritt.
In diesem Fall ist unsere Pseudo-Addition nicht definiert.
Die folgenden Eigenschaften der Pseudo-Addition können nachgewiesen
werden:
- Für
und
nicht
definiert, ergibt sich während der Berechnung ein nicht trivialer
Teiler von
.
- Ist
und
definiert
durch die Pseudo-Addition, dann gilt
für alle Primteiler
von
. (Beachte, daß die rechte
Seite der Gleichung immer definiert ist.)
- Insbesondere ist
und
definiert
durch wiederholte Anwendung der Pseudo-Addition, dann gilt
für alle Primteiler
von
.
Angenommen
ist das Produkt von zwei Primzahlen
.
Setze
Im Gegensatz zu
ist
eine Gruppe, da sie direktes Produkt von zwei Gruppen ist. Jeder Punkt
auf
korrespondiert zu
einem eindeutigen Punkt auf
,
nämlich zu
. Punkte auf
von der Form
und
haben keine korrespondierenden Punkte auf
.
Wegen der obigen Eigenschaft
sehen wir, falls
die Pseudo-Addition in
definiert
ist, so ist diese identisch mit der Addition in
,
d.h. für
und
definiert, gilt:
Das hat weitreichende Konsequenzen, wir können nämlich in der Gruppe
rechnen, ohne die Primfaktoren
und
tatsächlich zu kennen. Sollte die Anwendung
der Gruppenoperationen fehlschlagen, so erhalten wir einen nicht trivalen
Faktor von
. Sind
und
in der Größenordnung
von 100 Dezimalstellen, so kann das Fehlschlagen der Pseudo-Addition
als sehr unwahrscheinlich angenommen werden, da das Faktorisieren
von solch großen Zahlen als sehr hart angesehen wird.
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Stefan Vigerske
2002-06-26