Das letzte Kapitel

Am zwölften Juli des Jahres zweitausenddrei
lief folgender Funkspruch rund um die Erde:
dass ein Bombengeschwader der Luftpolizei
die gesamte Menschheit ausrotten werde.

Die Weltregierung, so wurde erklärt, stelle fest,
dass der Plan, endgültig Frieden zu stiften,
sich gar nicht anders verwirklichen lässt,
als alle Beteiligten zu vergiften.

Zu fliehen, wurde erklärt, habe keinen Zweck,
nicht eine Seele dürfe am Leben bleiben.
Das neue Giftgas krieche in jedes Versteck,
man habe nicht einmal nötig, sich selbst zu entleiben.

Am dreizehnten Juli flogen von Boston eintausend
mit Gas und Bazillen beladene Flugzeuge fort
und vollbrachten, rund um den Globus sausend,
den von der Weltregierung befohlenen Mord.

Die Menschen krochen winselnd unter die Betten.
Sie stürzten in ihre Keller und in den Wald.
Das Gift hing gelb wie Wolken über den Städten.
Millionen Leichen lagen auf dem Asphalt.

Jeder dachte, er könne dem Tod entgehn,
keiner entging dem Tod und die Welt wurde leer.
Das Gift war überall, es schlich wie auf Zehn.
Es lief die Wüsten entlang, und es schwamm übers Meer.

Die Menschen lagen gebündelt wie faulende Garben.
Andere hingen wie Puppen zum Fenster heraus.
Die Tiere im Zoo schrien schrecklich, bevor sie starben.
Und langsam löschten die großen Hochöfen aus.

Dampfer schwankten im Meer, beladen mit Toten.
Und weder Weinen noch Lachen war mehr auf der Welt.
Die Flugzeuge irrten mit tausend toten Piloten,
unter dem Himmel und sanken brennend ins Feld.

Jetzt hatte die Menschheit endlich erreicht, was sie wollte.
Zwar war die Methode nicht ausgesprochen human.
Die Erde war aber endlich still und zufrieden und rollte
völlig beruhigt ihre bekannte elliptische Bahn.

Erich Kästner (1930),
aus »Erich Kästner für Erwachsene«

Halabja - Nordirak/Kurdistan - 16. März 1988

[...] In ihren selbstgebauten Unterständen nahmen die Bewohner Halabjas seltsame Gerüche wahr: etwas wie süße Äpfel, Gurken oder Parfum.[...]
In den dämmrigen Gassen spielten sich unvorstellbare Szenen ab. Auf den Wegen und in den Toreingängen lagen die Körper toter Menschen und toter Tiere übereinander. Flüchtende lachten plötzlich hysterisch auf und brachen zusammen. Andere erblindeten in Minuten[...]

Jan Keetman, Neues Deutschland

15 Jahre Halabja, Zeit zu sagen »NO SADDAM«, aber auch Zeit zu sagen »NO WAR«, nein zu Hass und Gewalt, nein zum Krieg, egal gegen wen! Wer Hass sät, wird Gewalt ernten, wer Gewalt sät...? Die Jahre 39-45 des vorigen Jahrhunderts - vergessen? Israel? Augen zu und durch? Es lernt der Mensch so lang er lebt. Und Personen, die ihre Menschlichkeit verloren haben? Es irrt der Mensch so lang er lebt!

Deutsche Beteiligung:

Karl Kolb | Pilot Plant | Thyssen Rheinstahl | Rhein-Bayern | Preussag | Gildemeister | u.a.

Finanzierung und Absicherung:

Die Bundesregierung [Bundeskanzler: Helmut Kohl; Bundesaußenminister: Hans Dietrich Genscher]

Technische Unterstützung und Vertuschung:

United States of America, wusste man doch kurz darauf bei CNN sehr genau, dass die iranische Armee hinter diesem »Verbrechen« stände. Und einmal mehr sollte die Bedrohung der Welt durch den Iran deutlich gemacht werden. Es ist eine Ironie der Geschichte, dass kurze Zeit später das Ziehkind Saddam zu einer solchen »Bedrohung« auferstehen sollte.

Planung und Ausführung:

Armee des Irak


"Können wir gleichgültig bleiben, wenn aus so vielen Teilen der Welt quälende Schmerzensschreie kommen? [...] Die Welt ist zum Friedhof geworden. So viele Menschen, so viele Gräber. Eine Welt von Gräbern."

Papst Johannes Paul II., Karfreitag, 18. April 2003

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