Künstler-Bio

Herbert Grönemeyer

 
25.11.2002

"alles Gute von Gestern bis Mensch" ===> Auftritt: 04.06.2003 Waldbühne, Berlin


Grönemeyer-Ticket Alter Wein in neuen Krügen. - Der Tourtitel wurde etwas abgewandelt und die Veranstaltung fand im Freien statt. Der übrige Teil war so gut wie gleich geblieben, was mir hier als Schreiber ja nicht unbedingt missfällt, da dann auch weniger zu tun ist *g*. Es kam also so, wie es kommen musste und dann war endlich der 4. Juni da. Bei bestem Sonnenschein fingen dann um 18:23 Uhr LDP als Vorband an. Deren 8 Lieder waren wider erwartend recht ruhig gewesen. Der beste Song der Britten war dann der 6te, ihre Single "everybody in the morning" (la la). 18:50 Uhr war deren Darbietung dann beendet und das elendig lange Warten begann erneut. Warum "Herbi" die Fans bei der brütenden Hitze so lange warten ließ bleibt wohl auf ewig (s)ein Geheimnis; denn 80 Minuten hätten es echt nicht sein müssen. Damit sammelte er keine Punkte.

19:57 Uhr war es dann endlich soweit und der Herr Grönemeyer lief den abgesperrten Gang an der linken Bühnenseite entlang und warf den Blick zurück. Zwar der gleiche Auftakt wie 'damals', aber eine etwas längere Version. Er kletterte dann auf die Bühne (der große Vorhang war noch zu) und begrüßte die Fans anschließend. Unter einer kleinen Feuershow fiel dann der Vorhang und er sang Neuland, was ebenso der zwote Song war, wie im November. Aber egal. Die Bühne war etwas anders und die Lichteffekte waren leider nicht mehr so umfangreich, wie es ja zu vermuten war, da die Waldbühne ja auch nicht so viel zulässt. Also war die Lichtshow bei weitem nicht so beeindruckend, wie letztes Jahr in der Halle, wenngleich er fünf Leinwände für die Ränge dabei hatte. Der Beifall war, evtl. aufgrund der Hitze, etwas verhalten, oder eben, weil er nach der Show gestern nicht mehr so viel Bock hatte, noch eine runterreißen zu müssen und dann morgen noch mal Berlin - das kann schon stressen. Man merkte ihm an, dass er nicht so motiviert war. Als wenn er die Kritik bzgl. des MSH-Auftritts hier gelesen hätte ;-), wies er vor dem nächsten Song explizit darauf hin, dass es jetzt nicht viertel vor ist, aber für 20:07 war der Song auch okay. Sogar mehr als das. Er posierte sogar noch für einen Fan (O-Ton: "na komm, mach 'n Photo").
Nun ein tolles Gummibär-Intermezzo. Wie auch in der MSH konnte er es nicht lassen, zu zeigen, wie man die gelben und weißen Artgenossen erst in schwindelerregende Höhen wirft, ca. 6m meinte er, und dann gekonnt auffängt. Alle 3 Versuche klappten; Respekt. Die Fans, die mitmachen sollten, mampften die Dinger dagegen genüsslich mit der bewährten Hand-in-den-Mund-Methode.
Lache, wenn es nicht zum Weinen reicht stand als nächstes auf dem Programm. Immer noch toll, wenngleich ich dieses mal jedoch nicht so ergriffen war. Am Klavier folgte dann "as usual" ich dreh' mich um dich. Nun war mir klar, warum bei mir persönlich der Funke noch nicht übergesprungen ist; es gab nix innovatives. Selbst die Reihenfolge der Songs war bis jetzt 100% identisch, was schade war. Dann tauschte er endlich mal die Song-Blöcke etwas. Aber zu welchem Preis ... denn "neue Welt" entfiel (leider letztendlich ganz!), "der Weg" kam später und er zog die Ballade halt mich vor. Denn eigentlich wäre dieses Lied erst nach dem jetzt gespielten Block aus Bochum - Männer - unbewohnt dargeboten worden. Zu "Bochum" wurden ein paar Bilder auf die mittleren 3 Leinwände projiziert und es folgte ne Anspielung auf Hertha. "Männer" kündigte er als "ein altes Lied" an und spielte eine etwas längere Version. Spätestens da beschlich mich der Verdacht, dass auch das Alter an ihm nicht spurlos vorüber geht. So einen dicken Bauch hatte er vor Weihnachten noch nicht gehabt. Die Leibesfülle sah man, wenngleich doch schwarz eigentlich schlank machen soll ... . Bei "unbewohnt" gab es sehr ähnliche Bilder wie während der Hallentour.
Nun also der Weg, wo es wieder Extra-Beifall gab und er ergriffen war/tat. Nach diesen doch sehr ergreifenden Momenten schaffte er es dann erneut den Bogen zu leichterer Lebensanalyse zu bekommen und sang "völlig überraschend" Mensch für die Fans in der ausverkauften Wuhlheide. Der dafür extra aufgepustete Eisbär aus Plastik tanzte dazu und alle ca. 20.000 Besucher sangen begeistert mit. Dann gab er sich laut eigener Ankündigung von seiner harten Seite und wurde der, der fanatisch liebt. Die Tanzschritte waren zwar bekannt, aber kamen immer noch gut an. Dann kam "die Frage, die ich an dieser Stelle jeden Abend stelle": was soll das. Dann kam der gewohnte 21:05 Uhr Jubel und es konnte mit bleibt alles anders sowie Alkohol dann zum Meer gehen, was er wieder als letzten Song des Hauptteiles ankündigte.
Alle Musiker verließen 21:24 Uhr die Bühne, aber da der Mikro-Mann immer noch nicht gelernt hatte, waren die Zugabe-Rufe etwas verhalten, denn alle wussten ja, dass es weitergehen würde. Leider nix neues, denn sowohl der Zugabenblock, als auch deren Einteilung war identisch, wenn auch "Moccaaugen" fehlte, was mehr als Schade war. Somit war die Runde eins für 20 Minuten angesetzt und bestand aus dem Sternenkreuzer Luxus-Flugzeug-Vollmond. Die Feuerzeuge für die Flugzeuge im Mittelteil waren schön anzusehen. Wie man sich da doch gewünscht hätte, jemanden zum in den Arm nehmen zu haben ...
Allein mit einer Gitarre & seinem Gitarristen kam er auf die Bühne zurück und es gab dort und hier, jedoch ohne die entsprechenden Bilder auf der Leinwand. Das letzte Highlight für mich war mit Selbstmitleid leider auch viel zu schnell vorbei, jedoch war jetzt bei zunehmender Kühle der Klassenunterschied zum nachfolgenden Mambo nicht so groß.
Endlich ging er auf seine neuen Streicher ein, ein paar junge Leute aus den Niederlanden, was er auch an seinem gespielten Akzent bzw. ein paar Brocken holländlich (oder so) zum Ausdruck brachte. Dann wurden wieder die Feuer angemacht, damit man ihn finden kann. Die Geschichte über den 7. Sinn war erneut ein toller Ausklang, aber er wollte uns ja dran erinnern, wer wir sind, womit gab es erneut, mit der Unterstützung des Eisbären, Mensch. 22:26 beschloss er dann den Abend.

FAZIT: '... denn der Mensch heißt Mensch, weil er erinnert ... '
Ein schöner Sommerabend, wenngleich er letztendlich leider wirklich nicht an das Konzert vom November herangekommen ist. (Ich hab' ihm aber genug Chancen gegeben, so dass es keine selbsterfüllende Prophezeiung war.) Mal seh'n, was die bloße Auflistung von Fakten bringt.
Positiv: neue Streicher, die schick gespielt haben - mehrere Leinwände - Gummibär-Intermezzo ;
Negativ: nahezu identische Setlist (jedoch 2 Songs weniger) - keine Überraschungen, business as usual - fast gleiche Reihenfolge der Songs - beinahe 30 Minuten weniger Grönemeyer
War n normaler Abend für ihn, für die Fans leider auch. Eigentlich ja zu mehr imstande, bewies er heute Minimalismus; und diesen nicht nur bei den Tanzschritten. Wer in November das Konzert live verpasst hatte, wird sich gefreut haben, die anderen haben einfach einmal mehr Grönemeyer live gesehen. So ist das eben.

27 gespielte Lieder:
(*="Mensch"-CD)
  1. Blick zurück* (long version)
  2. Neuland*
  3. viertel vor*
  4. lache, wenn es nicht zum Weinen reicht*
  5. ich dreh mich um dich
  6. der Weg*
  7. Mensch*
  8. Bochum
  9. Männer (längere Version)
  10. unbewohnt*
  11. halt mich
  12. fanatisch
  13. was soll dass ?!
  14. bleibt alles anders
  15. Alkohol
  16. zum Meer*

    1. Zugabe:
  17. Luxus (extended version)
  18. Flugzeuge im Bauch (extended version)
  19. Vollmond

    2. Zugabe:
  20. dort und hier*
  21. Selbstmitleid
  22. Mambo

    3. Zugabe:
  23. Land unter
  24. Demo (letzter Tag)*
  25. Mensch* (mix-version)


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