Künstler-Bio

Herbert Grönemeyer

 
04.06.2003

"das Beste von Gestern bis Mensch" ===> Auftritt: 25.11.2002 MSH, Berlin


Grönemeyer-ticket Bleibt alles anders - so hieß das letzte Album von ihm. Aber nun, 4 Jahre später, ist Herbert Grönemeyer mit seinem neuen (Über)Album auf Tour und bestritt im Rahmen dieser auch ein - natürlich ausverkauftes - Konzert in der Max Schmeling Halle. Und er zeigt wirklich, was der Stand der Dinge ist. Nicht nur war er selten so froh gelaunt, sondern hat auch das ganze Ambiente gestimmt. Denn was die Lichttechnik an diesem Abend alles aufbot war phänomenal und die legitime Begründung dafür, dass Grönemeyer-Konzerte auch im Sommer in einer Halle stattfinden sollten, um diesen Aufbau erneut zu ermöglichen. Das beste Lichtspiel, was ich bisher je bei einem Konzert gesehen habe und nicht leicht zu überbieten. Aber das war ja nur der optische Rahmen, denn da gab es ja noch den Mann, der schon bevor er die Bühne betrat mit "Herbi, Herbi" gefeiert wurde und für den es LaOla-Wellen gab.

20:17 Uhr war es dann 'endlich' (schönen Gruß an Flobi *g*) soweit und der Mann, die Legende, der Mensch betrat unter tosendem Jubel die U-förmige Bühne. Er verlor keine Zeit und warf auch keinen Blick zurück. Gleich einer der neuen Songs von Mensch [2002]. Auch danach betrat er Neuland was ebenso frenetisch bejubelt wurde. Er brachte schon erste Showeinlagen und war völlig der gelöste Entertainer, den ich so, in dieser Art und Weise, gar nicht erwartet hätte. Alsdann begrüßte er die Fans und wäre damit akustisch gar nicht durchgekommen, wenn er kein Mikro behabt hätte, so laut waren diese. Jetzt forderte er einen Uhrenvergleich und stellte fest, dass (es zwar nicht stimmte, aber - a.d.R.) viertel vor ist. Nach dem für mich ersten Highlight, nämlich dem hintersinnigen lache, wenn es nicht zum Weinen reicht, folgte sein erster Einsatz am Klavier. Er spielte auf zu ich dreh' mich um dich (bleibt alles anders [1998]), jedoch kam er mit den 8 Streichern aus dem Takt, so das er noch einmal startete. Dieser Fehler machte jedoch nichts, denn so kam man in die glückliche Lage, die erste Strophe 2x mitsingen zu dürfen, während er jetzt auch zusätzlich auf der Leinwand zu beobachten war. Ein wahrlich bewegender Augenblick, den er dann sogar noch überboten hat, als er gleich noch mit der Weg einen drauf setzte. Ohnehin einer der besten Songs des Albums, aber hier, vor dieser Kulisse, ein wahrlich ergreifender und berauschender, ja fast schon epochaler Augenblick der Menschengeschichte. (Zumindest für alle Anwesenden bzgl. der Mensch-Geschichte.) Somit konnte man nach dieser Darbietung gar nicht anders, als das zu tun, was auch bei "Wetten, dass ... ?!" geschah. Es gab minutenlange stehende Ovationen, wo nahezu alle von ihren Sitzen aufstanden. Es sah sogar so aus, als ob er von dieser ganzen Ehrerbietung und der fast schon an Glorifizierung grenzenden Personenverkultung überwältigt war und doch schon ganz schön zu schlucken hatte. Ob der Sympathie, der ihm entgegen gebracht wurde.
Nach diesen doch sehr ergreifenden Momenten schaffte er es den Bogen zu leichterer Lebensanalyse zu schlagen und beschrieb, was uns alle ausmacht: denn der Mensch heißt Mensch. Alle sangen wieder begeistert mit und er war wieder an den Rändern der Bühne unterwegs, um sich die teilweise sehr aufwendigen Geschenke abzuholen. Er nahm sich sogar Zeit während des Singens die Karten zu lesen. Und Sonnenblumen gab es, noch und nöcher. Nun kündigte er einen seiner "schönen, aber unbekannten Titel" an und sang uns eine Geschichte über die neue Welt. Nach dieser kurzen Verschnaufpause, ging es nun aber erst richtig los. Denn "es gibt nur 2 Städte mit B - Berlin und ... " Bochum (Bochum [1984]). "... du bist keine Weltstadt, so wie Berlin!", bracht ihm spontanen Jubel ein. Aus dem gleichen Album gab es dann gleich Männer, was wieder aus allen Kehlen schallte. Hier merkte man wieder, dass er sehr fanfreundlich ist. Denn er sang jedes Teilstück an einem anderen Ort der Bühne. An beiden Enden des "U"-s und jeweils für die sitzenden Fans am seitlichen Bühnenaufbau. So hatte wirklich jeder was von ihm. Echt toll. Er entdeckte sogar eine Frau mit dem T-Shirt-Text "Mensch, heirate mich!". Das verunsicherte ihn aber nur kurz und er musst einfach noch einmal darauf hinweisen, dass es für ihn ein sehr besonderer Abend ist und er sich hier sehr sehr wohl fühlt und das Berlin echt eine Heimat führ ihn ist und er ein so herzliches und warmes Willkommen nicht erwartet hätte und allen dafür danke.
Nach einem kurzen Singalong ging er zurück zur Hauptbühne und spielte am Klavier unbewohnt. Hierbei wurden an der Leinwand Bilder von oftmals leeren Häusern gezeigt, so dass man echt hätte denken können, dass es in diesem Lied um Wohnungen geht ... .
Auch die folgende ruhige Nummer vom Album Ö, der Klassiker halt mich, wurde anschließend ausdauernd beklatscht und er schallten wieder die "Herbi, Herbi"-Rufe durch die Halle, die von Mal zu Mal lauter wurden, da mittlerweile auch der letzte sich nicht mehr dieser Euphorie des Momentes entziehen konnte. Dann leitete er wie folgt ein: "... nun die Frage des Abends ..." und als ob es allen klar war, schallte ihm wie aus einer Kehle ein einhelliges was soll das entgegen. Und da die Fans das also wussten, war es nicht weiter verwunderlich, dass Herbert bei der ersten Strophe aussetzte und die Fans mal alleine singen ließ. Und ja, man(n) kannte den Text. Das gegenseitige Aufschaukeln der Stimmung ließ es zu, dass bleibt alles anders wie im Fluge verging. Es war ein Rausch, den er versuchte mit Vorschlägen zu diversen Erfrischungsgetränken zu beenden. Aber dann gab es "Al-ko-hol" und alles blieb gleich, denn die Fans versuchten erneut lauter zu sein als er. Die nächste Nummer kündigte er als letzte an (21:45 Uhr), aber es war für ihn ein schöner Abend und er wünscht uns allen einen guten Weg nach hause, zum Meer.
Alle Musiker verließen die Bühne, aber da erneut ein Mikro gerichtet wurde war man in der Annahme bestätigt, dass er zumindest eine Zugabe spielen würde. Wenige Sekunden später war er zurück auf der Bühne und kickte einen gefüllten Bierbecher in die Menge. Das erste Stück war die Luxus-Variante, die auch auf der Stand der Ding DVD/CD zu hören ist. Die Extended Version mit dem tollen Saxophon-Solo. Erneut wurde dieses mit einem herzlichen Szenen-Applaus bedacht. Es war ja nicht das erste Solo des Abends, aber eines der schönsten. Auch die Hommage an den Flughafen Tegel war eine längere Version des Klassiker-Standards Flugzeuge im Bauch. War den Fans aber nur recht, dass sie so viele Minuten wie möglich mit diesem Menschen hatten, der so sympathisch wirkt. Auch der Gitarrist hatte einige Solostellen, und spielte sich dann mit einer verkappten Version von "Berliner Luft" (verdienter Maßen) erneut in den Vordergrund. Und obwohl das Konzert ja im geschlossenen Raum stattfand und wir ihn nicht sahen, gab es jetzt das Lied für alle Werwölfe: Vollmond. Die Band und das Orchester wurde kurz vorgestellt und dann war es um 22:12 Uhr schon vorbei mit der ersten Zugabe.
Da jedoch wieder ein Mikro zurecht gestellt wurde, sollte es also noch einen Block geben. Die Videowiedergabe wurde auf alt getrimmt, der Sound mit dem schallplattentypischen Rauschen und Knacken unterlegt und nur mit einer Gitarre, sang er allein auf der Bühne dort und hier. [Schallplatten waren übrigens die großen runden schwarzen Scheiben aus Vinyl, die die Tonträger waren, bevor die CD den Massenmarkt enterten. Falls jemand das Wort nicht kennt.]
Eigentlich konnte jetzt nichts mehr kommen, aber er überraschte erneut. Denn das Lied Selbstmitleid, was auf der Original-Release-CD nicht so toll wirkt, ist live DER Hammer. Er bewies erneut, wie spielend einfach er die Massen in der Hand hatte und wie oft der Refrain bereitwillig wiederholt wird. Für mich letztendlich das Highlight des Abend, zumal es auch unerwartet war. Und obwohl das nachfolgende Lied immer abgeht, wirkte es danach eher als beruhigender Ausklang, als er ins Mikro schrie: "der Mambo". Er stellte die Band noch einmal vor und es gab die große Verbeugung. - Also war es das?!
Wider erwartend nicht, denn der Mikrofonbereitsteller ließ die Fans noch einmal hoffen. Und wirklich ging es in noch eine, diesmal aber leider wirklich letzte Runde. Nun setzte er sich ans Klavier und spielte erneut ganz alleine auf der Bühne ein paar Takte von einem interessanten Lied, was ich bis dahin nicht kannte. Jedoch die Leute um mich herum schon und nun weiß auch ich, dass es eine lohnende Geschichte über Moccaaugen gibt. Ohne eine Verschnaufpause folgte dann das Trio Land unter, Demo (letzter Tag) und eine Mix-Version von Mensch. Ein supertoller Abend, der obwohl er zweieinhalb Stunden (bis 22:47 Uhr) spielte, wie im Flug verging und viel zu kurz wirkte.

FAZIT: '... fühl mich bei Dir geborgen, setz' mein Herz auf Dich - jeden Moment genießen, Dauer ewiglich ... '
Ein rundum gelungener Abend ohne irgendwelche Abstriche. Die Druck-Medien sind sich ja einig, dass es das beste Konzert auf seiner Tour war. Ich gehe sogar soweit und sage, dass es das beste war, was er je gegeben hat. (Den direkten Vergleich zu dem Fernseh-Mitschnitt vom Konzert in Köln besteht es auf jeden Fall.) Diese neuen Maßstäbe sind von anderen Bands sicher nicht zu erreichen. Aber das ist ja auch gut so, denn Grönemeyer ist ja auch ein Phänomen. Früher zählte ich mich ja eher zu den Westernhagen-Anhängern, aber durch sein letztes Album ist ihm mehr als ein Achtungserfolg gelungen und Westernhagens "in den Wahnsinn" kommt bei weiten nicht an dessen Klasse heran.
Schön war die Songauswahl, die Grönemeyer getroffen hat, zumal er auch außer "kein Pokal" alle anderen Stücke seiner neuen CD live präsentiert hat und wirklich alles angekommen ist. Mir gefällt zwar "kein Pokal" mit am besten, aber so war es auch okay. Die anderen Stücke waren auch ein toller Querschnitt, so das nichts gravierendes fehlte. Well done und ein würdiger Abschluss eines Novembers, an den ich noch lange zurückdenken werde - a November to remember.

Danke Herbert Grönemeyer für diesen wunderschönen Abend!

27 gespielte Lieder:
(*="Mensch"-CD)
  1. Blick zurück*
  2. Neuland*
  3. viertel vor*
  4. lache, wenn es nicht zum Weinen reicht*
  5. ich dreh mich um dich
  6. der Weg*
  7. Mensch*
  8. neue Welt
  9. Bochum
  10. Männer
  11. unbewohnt*
  12. halt mich
  13. fanatisch
  14. was soll dass ?!
  15. bleibt alles anders
  16. Alkohol
  17. zum Meer*

    1. Zugabe:
  18. Luxus (extended version)
  19. Flugzeuge im Bauch (extended version)
  20. Vollmond (Prelude: Berliner Luft)

    2. Zugabe:
  21. dort und hier*
  22. Selbstmitleid
  23. Mambo

    3. Zugabe:
  24. Moccaaugen
  25. Land unter
  26. Demo (letzter Tag)*
  27. Mensch* (mix-version)


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