Künstler-Bio

Funny van Dannen

  weitere Auftritte

06.06.2003 Volksbühne, Berlin [Nachtrock - Spezial]


Funny-Karte Back to the Roots. - Funny van Dannen war wieder einmal zurück in der Volksbühne und für nur 10.00 Euro konnte man ihn auf alle Fälle mitnehmen. Nach einer längeren Wartephase war es dann endlich soweit und der Saal durfte gefüllt werden. 22:08 Uhr kam dann der Meister selbst auf die Bühne und man wartete gespannt, was er für ein Programm dabeihaben würde. Eine weitere Groooveman-Runde? Ein Best of? Ganz neue Stücke? Man wartete also ...

Während er seinen Koffer auspackt, die Weinflasche bereitstellt erzählte er ein paar böse Schoten über die FDP. Sogleich war klar, dass seine seit jeher existierende Antipathie bzgl. dieser und besonders des Herrn W. & Herrn M. nicht durch dessen letzten Fallschirmsprung geänderte wurde. Nun denn, er begann, wie immer hier, mit einer weiteren kleinen Geschichte: der Weltcup. Interessant, was man alles aus einem Eichelmännchen-Wettkampf rausholen kann.
Danach packte er die neue weiße Gitarre aus, verkabelte sie und startete mit dem neuen Stück "es regnete in Madrid" (Anmerkung: das die neuen Lieder allesamt noch nicht veröffentlicht sind, stimmt mit Sicherheit der ein oder andere Titel nicht, aber man weiß ja, welches Lied gemeint ist). Somit war also die Frage beantwortet, ob Funny in letzter Zeit untätig war, oder wiederum kreativ bei der Arbeit. Auch das folgende Stück hatte eine ähnliche Thematik, so dass er evtl. ein Konzeptalbum planen könnte. Wie dem auch sei, erzählte er also von Herzscheiße. Banal formuliert, aber treffsicher wie eh und je - that's Funny. Eine Ballade folgte und er meinte, dass das schon am Notenblatt zu erkennen ist; "alles mit mehr als 3 Seiten ist ne Ballade". Somit sang er uns einen von Stringtanga-King - Stringtanga-Queen mit dem rollenden R. Dann gab es endlich 2 bekannte Stücke, nämlich die Groooveman-Episoden Schilddrüsenunterfunktion und Bonobo. Ein Beifallsvergleich fällt schwer, da auch die neuen Stücke toll ankamen. Dennoch freut sich der gewillte Fan, ein paar Worte mehr mitrufen zu können, wenngleich ja der Erkenntnisfaktor bzgl. Funnys Weltsicht dadurch verringert ist.
Kleine geile Firme waren sein nächstes Gesprächsthema und sein Beitrag zur Diskussion über die Ich-AGs. Lustiger wurde er dann bei Überlegungen zum möglichen Wappentier für seinen neu gegründeten Staat. Denn wer kommt schon auf an den Flügeln gepiercte Tauben? Scheinbar nur seine Freundin Kati, der er auch gleich anschießend ein kurzes Gedicht überholf. Nach der menschenverachtenden Untergrundmusik gab es wieder ein paar neue Songs, wobei die ersten etwas melodramatisch und weltanalysierend waren und erst die letzten die gewohnte Witzigkeit von Funny erahnen ließen. Somit stießen besonders die Geschichte über den gestreichelten Lichtschalter (Voodoo) und das Nicht-Chinesisch-Essen-Gehen (indisch essen mit Karl) auf Publikumsgegenliebe. Auffällig war jedoch, dass die Melodie einem oft seltsam bekannt vorkam. Da war man an der ein oder anderen Stelle gewohnt mitzusingen und dann entpuppte es sich als ganz neues Lied. Entweder ein bloßer Zufall, oder er war echt von seinen damaligen Melodien so begeistert, dass er sie nur leicht variierte und einen neuen Text sang ... . Man weiß es nicht.
Nur zwo Minuten, aber eines seiner besten: ich sehe Wind. Kein weiterer Kommentar nötig. Nachdem er wieder die Frauen dieser Welt angepriesen hatte, spielte er heute - bei brütender Hitze im Saal - sogar den 'lost track' der Groooveman-CD. Denn Rod Weiler enthielt er uns damals ja leider vor. Dieser wurde besonders laut durch Beifall belohnt, sodass er sich nicht falsch entschieden hatte, diesen endlich mal wieder vor Publikum zu spielen. Den kritischen Äußerungen beim Kapitalismus-Lied folgte die Ballade über das Arbeiterkindermärchen, also seine Gedanken zum Arbeiterkinderdenkmal. Dann folgten wieder ne handvoll der üblichen Verdächtigen, aber auch das Nuttenauto. Bei bitte mach mir ein Kind hat er sogar den Text etwas geändert, was auch nicht schlecht ankam. Anita war ein Junge kam live leider nicht so toll an, obwohl es ein klasse Song ist (im Gegensatz zu Hochhaus, welches er aber immer spielt). Bei Vaterland fanden wir alle plötzlich Grönemeyer ganz toll, ansonsten war es ja immer Sissi gewesen; störte aber nicht - ganz im Gegenteil. Beim blöden Plastikball feierte wieder der ganze Saal (v.a. die Kinder neben mir *g*). Aber dann steigerte er sich noch mal und kam über Freundinnen und Korkenzieherlocken zu einer Geschichte über Guido Westerwelle, wo noch mal alle herzlich lachen konnte. War jetzt schon 23:58 Uhr und der Hauptteil leider schon, wie immer viel zu schnell, vorbei. Aber durch die vehementen "Zugabe"-Rufe war der Meister geneigt, sich noch mal auf der Bühne sehen zu lassen. Er gab eine 8-minütige Zugabe, wo er über den Himmel auf Erden sinnierte und sich Gedanken über die Inneneinrichtung machte, für den Fall, wenn wir uns nicht mehr lieben. Noch mal ergreifend, wenn auch mit ironischen Unterton. Der Rausschmeißer war dann sein Favorit 1000 Dinge.

FAZIT: ' ... jeder braucht einen Menschen (aber besser noch zwei) ...'
Wie immer ein sehr gelungener Abend, wenn auch die lokale Organisation etwas zu wünschen übrig ließ und es unerträglich warm im Saal war. Funny war wie immer gut aufgelegt und spielte gern. Die neuen Songs waren nach dem einmaligen bzw. erstmaligen Hören größtenteils nicht so überzeugend, wie die der letzten beiden Alben, aber ein paar werden es bestimmt zu Standards schaffen. Die Stimmung war letztendlich jedoch etwas verhaltener; geschuldet der Hitze und den vielen neuen Songs, wo man erst mal zuhören musste und nicht gleich mitsingen konnte. Alles in allem ein inspirierender Abend, der erneut neue Sichtweisen offenbarte, wie man Situationen auch andenken kann. Okay, lass ich den Leser jetzt allein mit seiner Herzscheiße. ;-)

(verfasst von l.j.)

'Line-Up' der 37 Stücke:
(*="Herzscheiße"-Album; **=auf keiner offiziellen CD/evtl. anderer Titel)
  1. Geschichte: der Weltcup**
  2. Madrid*
  3. Herzscheiße*
  4. Stringtanga-King**
  5. Schilddrüsenunterfunktion
  6. Bonobo
  7. kleine geile Firmen*
  8. Tauben*
  9. Gedicht: Kati**
  10. menschenverachtende Untergrundmusik
  11. nie mehr genug**
  12. der Begriff Freude**
  13. jeder braucht zwei*
  14. Voodoo*
  15. indisch essen mit Karl**
  16. ich sehe Wind
  17. Frauen dieser Welt
  18. Rod Weiler
  19. Kapitalismus
  20. Arbeiterkinderdenkmal
  21. Eurythmieschuhe
  22. der Fisch
  23. Nuttenauto
  24. Homebanking
  25. bitte mach mir ein Kind (teilw. geänderter Text)
  26. Anita war ein Junge
  27. Hochhaus
  28. Vaterland (teilw. neuer Text)
  29. gutes tun
  30. Uruguay
  31. Plastikball
  32. Freundinnen
  33. Korkenzieherlocken
  34. Westerwelle*
    Zugabe:
  35. Himmel auf Erden*
  36. wenn wir uns nicht mehr lieben**
  37. 1000 Dinge

FvD-Berlin-Auftritte:       2000       2002       2003       2004       2005
zurück zur Übersicht     meine Startseite