Künstler-Bio

Funny van Dannen

  weitere Auftritte

11.11.2002 im ColumbiaFritz, Berlin [Zusatzkonzert]


Funny-Karte Funnys zweite Runde. Da er ja noch ein relativ unbekannter Künstler ist, kann man es sich als Fan ja mal leisten, beide Veranstaltungen zu besuchen - wenigstens, um mal einen direkten Vergleich der Shows zu haben. Überraschender Weise gab es stimmungsmäßig viele Unterschiede, so dass es auch eine ganz andere Stadt hätte sein können - obwohl es doch der gleiche Ort war grad' mal 72 Stunden später ... Aber Berlin ist halt Berlin, drum:

"Es fing alles damit an, dass ich einen Schnupfen bekam ....". Falscher Text, der ist ja schon etwas älter. Was ja heute nicht auf den überwiegenden Teil der Fans zutraf. Denn gegenüber Freitag gab es eine deutliche Verjüngung des Publikums. Und wie nicht anders zu erwarten war, wurde mehr getrunken und auch die Luft war um Klassen schlechter, da es schien, als ob wenigstens jede Dritte / jeder Dritte nicht ohne den blauen Dunst leben könnten. Auch wirkte es anfänglich eher wie ne studentische Sitzdemo. Ein Mann, der sich nach vorne durchdrängelte, kam mit dem Spruch: Lasst mich durch, meine Freundin ist schwanger. - Und was soll ich sagen, dass hatte sogar mal gestimmt. (Was sie "natürlich" nicht davon abhielt, nicht dennoch Bier zu trinken und viel zu rauchen. Ohne Kommentar.) Dem am Freitag bejubelten Roadie wurde nahezu keine Beachtung geschenkt. Selbst Funny bekam nur einen lautstärkemäßigen "Standardapplaus", als er dann 21:22 Uhr die Bühne betrat. Entweder in diesem Wissen, oder um doch etwas zu verändern, wollte er nicht mit dem neuen Material starten, sondern erst mal die Zuschauer auf seine Seite ziehen. Also eröffnete er den Abend mit trauriges Arschloch, was sogleich Anklang fand. Dennoch war das Publikum immer noch reservierter als das vom Freitag; sie wollten schon etwas geboten bekommen; hier gab es keinen Künstlerbonus. Dennoch startete dann das Groooveman-Programm mit eben jenem (anschließend ein kürzerer Verweis auf Möllemann) und dann wiederum die Geschichte von den Bonobo-Affen. Sein schickes Rüschenhemd (das gleiche wie Freitag) war dann Gesprächsthema, was ihn zu Ergüssen über Joggen, Fähnchen der FDP und von den USA veranlasste. Auch dann folgten die Songs in der gleiche Reihenfolge wie am Freitag. Also beginnend mit Schilddrüsenunterfunktion ging es über Fleischfresser, Nuttenauto und dem immer besser werdenden zweiminütigen ich sehe Wind zu der Geschichte über Vladimir Putins Cousine. Im Ausklang dieses Songs ging er rückwärts Richtung Bühnenausgang (Vorhang); so, als ob es das jetzt um 22:08 Uhr schon hätte sein sollen ("das war's, das war's, das war's"). Aber es diente "lediglich" als Aufhänger für eine bösen Seitenhieb gegen Leute a la 'the Strokes' oder 'Pink', welche schon nach 45 Minuten mit ihrem Latein bzw. Englisch am Ende sind und deren Show dann vorbei ist.
Also ging es weiter mit dem Tombolamusikant und nur du nicht. Während dessen wurde endlich das Mädchen, was die ganze Zeit schon fertig auf dem Boden halb unter der Bühne saß rausgenommen und vorne war mehr Platz. Die Unruhe hatte Funny während des Songs auch gespürt, aber nachdem er aus dem Publikum die Rückmeldung bekam, dass jetzt alles wieder in Ordnung war, ging es weiter. (Das sie so fertig war hatte aber nix mit der Luft oder so vor Ort zu tun; wer weiß, was sie sich vorher schon alles eingeworfen hatte.) Bei Kapitalismus gab es das nächste Opfer; sprich einer jungen Frau wurde es zu viel und sie fiel um. Die Stimmung stieg aber dennoch immer weiter und auch Schade - Scheiße wurde schon kräftig mitgesungen.
Zwischendurch wurden ja schon immer wieder Lieder gewünscht; aber da er ja auf Wünsche prinzipiell nicht eingeht, spielte er einfach seinen Set weiter. Bei bitte mach mir ein Kind schauten sich die schwangere Frau und ihr Begleiter verliebt an denn sie hatten dieses Thema für sich ja schon vor längerem angestoßen. Homebanking und Eurythmieschuhe waren wiederum Highlights und die Fans haben das "wir wissen wer du bist: du bist Funny van Dannen, der mit dem Kosmos im Einklang ist" aus vollen Herzen gebrüllt. Und er hat es sichtlich genossen. Immer mehr stimmten bei der Fisch, 1000 Dinge und Arbeiterkinderdenkmal mit ein, so dass es immer noch lauter wurde. Auch die weiteren Lieber waren wiederum genau die gleichen wie am Freitag, aber gegen Gwendolyn Kucharsky und Naturfilm hatte keiner was. Dennoch kreischte wieder ein Mädchen "Fanclub der Sehnsucht" - zum 100. Mal oder so. Dieses wurde also langsam aber sicher penetrant und ich hoffte innständig, dass es bald soweit sei und wir dann erlöst sind. Das als poetisch angekündigte Posex & Poesie brachte heute Abend den meisten Applaus als er anfing. Er veränderte sogar stellenweise das Tempo, so dass es eine schöne neue Variante war.
23:00 Uhr wollte er seinen ersten Zugabenblock starten. Zum "gutes tun" kam es jedoch nicht. Denn die ihm zugeworfene Schokolade ist mindestens für 1-2 Songs gut und als er kostete meinte er sogar, dass das gut genug ist für 3 Songs. Jedoch musste er was Nachtrinken, da Schokolade halt magnetisch ist und an seinen Goldzähnen haften blieb. Aber dann konnte es losgehen und obwohl die beiden Songs total bescheuert anmuten, grölten alle Plastikball und Hochhaus mit. Selbst die wiederum auftretenden Probleme mit der Gitarre störten nicht groß. Spätestens jetzt war der Unterschied zum Freitag eindeutig. "Alle" wollten nur die älteren Stücke hören, um lauthals mitzusingen und "abzurocken". Bei den Freundinnen musste er sogar mitten im Song abbrechen, weil die Aussteuerung der Gitarre total im Arsch war. Aber das war eher gut, denn somit gab es ja dieses Lied anderthalb Mal und man/frau konnte länger mitsingen. Abschließend bildete Korkenzieherlocken wiederum den finalen Song der ersten Zugabenrunde.
Mit einem kräftigen Schluck aus der Weinflasche ging es dann ab 23:15 Uhr Richtung Uruguay und dann gab es den Urbanhafen, der neu im Programm war. Die Gitarre war aber irgendwie nicht mehr so fit, denn der Sound wurde immer schlechter. Allerdings wurde das eh fast schon vollständig von dem Chor überdeckt. Alles verkauft war wiederum ein Highlight und bewog jemanden sogar noch einmal Nahrung auf die Bühne zu werfen. Dieses Mal ein schokoriegelartiges Gebilde. Als er dann für uns alle in den Fanclub der Sehnsucht eincheckte bekam er spontan Applaus bei der Zeile: "wenn sie [Menschen] toll sind, gibt's Applaus". Vollkommen gerechtfertigt, da er wirklich wieder einmal alles gegeben hatte.
23:35 Uhr kündigte er dann die letzte Zigarette und Dolores als letzte Songs an, was sich leider wiederum bewahrheiten sollte. Er hätte noch ewig weiterspielen sollen, aber 23:42 Uhr war dann leider dieser tolle Abend auch schon wieder vorbei.

FAZIT: ' ... wenn jemand kommt, dann wackeln bald die Wände ...'
Obwohl er nahezu, bis eben auf die drei kleinen Änderungen, genau die gleichen Lieder (auch in der gleichen Reihenfolge) gespielt hatte, war der Abend genial. Jedoch hatte er sogar eine Song mehr gespielt. Die Stimmung war anders aber auch interessant. Am Freitag waren alle gleich begeistert, heute musste er erst überzeugen. Dann wurde er aber - da ihm das natürlich glückte - um so mehr angefeuert und bejubelt. Ein voller Erfolg und wirklich ein Künstler, den man immer und immer wieder gern sieht. Also war die Mission dieses Double-Feature erfüllt und er beweis eindrucksvoll, dass er sich auch mit dem neuen Material in die Herzen der Fans gespielt hat. Hoffe es dauert nicht wieder 32 Monate bis zum nächsten Wiedersehen.

(verfasst von l.j.)

'Line-Up' der 40 Lieder:
(*=von der aktuellen CD)
  1. trauriges Arschloch
  2. Groooveman*
  3. Bonobo*
  4. Schilddrüsenunterfunktion*
  5. 11. September*
  6. Fleischfresser*
  7. Frauen dieser Welt*
  8. menschenverachtende Untergrundmusik*
  9. Nuttenauto+
  10. ich sehe Wind*
  11. alle müssen was tun*
  12. Emotionen Pause machen*
  13. Vladimir Putins Cousine*
  14. Tombolamusikant*
  15. nur du nicht*
  16. Kapitalismus*
  17. Schade - Scheisse*
  18. bitte mach mir ein Kind
  19. Homebanking
  20. Eurythmieschuhe
  21. der Fisch
  22. 1000 Dinge
  23. Arbeiterkinderdenkmal
  24. wenn jemand kommt
  25. Gwendolyn Kucharsky
  26. Naturfilm
  27. Posex & Poesie
  28. saufen
    1. Zugabe:
  29. Plastikball
  30. Hochhaus
  31. Freundinnen
  32. Korkenzieherlocken
    2. Zugabe:
  33. Uruguay
  34. Urbanhafen
  35. alles verkauft
  36. Tarzan ist tot
  37. rote Schuhe
  38. Fanclub der Sehnsucht
    3. Zugabe:
  39. die letzte Zigarette*
  40. Dolores+


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