Endlich wurde es wieder funny. Denn Funny van Dannen war wieder einmal zurück in Berlin. Viel zu viel Zeit ist seit seinem letzten Auftritt vergangen. Dieses Mal gab es sogar schon die CD Groooveman vorher im Handel und ihm ist wieder eine tolle Kollektion gelungen. 20 neue Stücke, die es alle in sich haben. Mit diesen hohen Erwartungen und den Erinnerung an seinen letzten Auftritt vor über 32 Monaten machte ich mich auf den Weg zum Columbia Fritz ...
Wider erwartend gab es weder Regen, noch war es besonders kalt. Aber so ist es auch nur, wenn die Veranstaltung in einem überdachten Gebäude stattfindet. Auch war das Publikum nicht unbedingt das, was den typischen Radiofritzen ausmacht. (Jedoch gab es einige jugendliche Ausnahmen, die lautstark auf sich aufmerksam machten und mind. zehn von Funnys Lieder, zwar textsicher, aber dennoch verrissen. Es blieb zu befürchten, dass er als Strafe genau diese Songs nicht bringen würde, um sich zu rächen.) Das anvisierte Zielpublikum von Radio Fritz + 5 Jahre oder so war eher der Altersdurchschnitt. Aber das war nicht weiter hinderlich - nur eben verwunderlich, da man Funny ja sonst nicht zwangsläufig kennt. Aber die Toten Hosen haben bestimmt auch ihren Einfluss gehabt und das Alter der Alt-Punks / Ex-Punks kommt denen schon recht nahe ....
Wie dem auch sei, betrat Funny van Dannen, nachdem der Roadie (mit Wasser & Wein) schon bejubelt wurde, unter starkem Jubel und Anfeuerungsrufen um 21:20 Uhr die Bühne. Ein simples "Hallo" war aus seinem Munde zu hören. Der Koffer ging auf und die immer noch originalen Niederschriften seiner Lieder wurden erneut auf dem Notenständer aufgebart. The same procedure ... Dann erzählte er, dass seine Tourgitarre bei seinem Gastspiel in Fulda kaputt gegangen war, und er nun voerst mit einer geliehenen spielen müsse. Er wunderte sich über die geringe Lautstärke und fragte ob das laut genug wäre. Die erste Reihe meinte "ja". Nachdem er dann aber mitbekam, dass er die Gitarre noch gar nicht einstöpselt hatte, konnte es nach "Berlin ist aber leicht zufrieden zu stellen" auch schon losgehen.
Er startete mit dem Groooveman was voll bejubelt wurde. Es war dem Publikum anzumerken, dass noch nicht alle sein neues Liedgut gehört hatten. Um so besser, war deren Lustgewinn doch höher. Dafür konnten die anderen schon mitsingen - ganz nach belieben. Gnädiger Weise schloss sich ein "gut, spiel ich noch eins" an und es folgte (wie auch auf der CD) die Geschichte vom Bonobo-Affen. Nun griff er das erste mal zur Weinflasche, die ihn sensibel machte, was ihn zu Gedanken zur Kirche, Möllemann, Geld und Feuerwehr hinriss. Grandios. Titel drei der CD ist Schilddrüsenunterfunktion; ergo gab es jetzt Schilddrüsenunterfunktion. Wieder starker Jubel und ein paar mehr Fans kannten den Song schon bzw. trauten sich mitzusingen. Nun fing endlich das muntere Mundharmonika-Wechseln an und nachdem wir nun auch wissen, dass seine Kinder anhand der häuslichen Silberfische zählen lernten, offenbarte er uns seine Gedanken zum 11. September. Die Fleischfresser hatte er vergessen und nach diesem gab es das authentischere Lied über die Frauen der Welt. Wieder so ein Song, den die Toten Hosen abgestaubt haben, um damit für Reich&SexyII-DieFettenJahre erfolgreich Werbung zu machen. Aber hier wirkte er besser, als in der Campino-Version. Anyway.
Ein weiterer Nachholer war dann die menschenverachtende Untergrundmusik und nun waren also die ersten 7 Songs der Show (und der CD) geschafft. Ein Highlight war dann der Song Nuttenauto, welchen seine Plattenfirma verbot mit auf die CD zu tun. (Kneif mich mal, ist das ein Traum. Der Song ist nicht auf der CD, ich glaub es kaum.) Das geniale ich sehe Wind eröffnete den Reigen für die Songs 9 bis 13 der CD. Schön, wenn man sich auf was verlassen kann *g*. Dennoch hoffte ich, dass er nur du nicht noch nachreichen würde. Tat er auch gleich im Anschluss und unterstützte sich wieder mit einer Mundharmonika. Kapitalismus und Schade - Scheiße bildeten die vorletzten Songs der aktuellen CD ... aber die Show war glücklicher Weise noch lange nicht zu ende. Denn nun kamen nach bitte mach mir ein Kind (dem einzigen vom Melody Star-Album) die Klassiker. Homebanking und Eurythmieschuhe als Highlights. Beim Arbeiterkinderdenkmal musste er wegen akustischer Probleme noch einmal anfangen. Leider das einzige vom Info3-Album. Aber dafür gab es dieses Mal auch das damals schmerzlich vermisste Gwendolyn Kucharsky. Einer der Basics-Songs. Allerdings ritzt man jetzt die Initialen nicht mehr in die Schulbank, sondern Bäume. Is wohl sozialer ... . Das abschließende Dreigestirn des Hauptteils bildeten Naturfilm, das oft zwischendurch gewünschte Posex & Poesie und natürlich DER Song: saufen.
22:55 Uhr war er flugs zurück auf der Bühne; suchte eine neuen Stapel von Notenblättern aus seinem Koffer und startete den ersten Zugabenblock. Bei gutes tun soll man neuerdings keine japanischen Gitarren mehr kaufen (ob das ne Anspielung war? *g*) und bei Freundinnen gab es kein halten mehr seitens der Fans. Nach dieser romantischen Ballade gab es das kleine Finale mit der Geschichte zu den Korkenzieherlocken, wo wiederum alle mitsangen.
Diesmal dauerte es etwas länger, aber Funny kam noch mal zurück, wechselte die Blätter auf dem Notenständer erneut aus und nach "sing ich noch einen" gabes die zweite Runde alter Bekannter: Uruguay, der "Gassenhauer" alles verkauft, Tarzan ist tot sowie rote Schuhe und der Fanclub der Sehnsucht.
Die letzte Zugabe war dann die traurige Nummer die letzte Zigarette und ein weiterer unveröffentlichter Song über ein Skelett namens Dolores. Wiederum ein Hammer.
FAZIT: ' ... wenn dein Licht nicht mehr in meine Welt scheint, muss ich wahrscheinlich weinen ...'
Was für ein Abend. Funny war wieder toll drauf und die Fans waren von Anfang an voll mit dabei. Im Gegensatz zu damals wirkte es nicht mehr so, als ob es ihm ein Greul wäre, wenn die Fans mitsingen. Stellenweise wollte er das heute regelrecht, was auch besser ist. Die Songauswahl war sehr interessant. 7 von 22 vom Basics-Album, 8 von 21 der Clubsongs, 4 der 23 Uruguay-Stücke und 16 von 20 der aktuellen CD. nicht schlecht, Funny. Die Stimmung war durchgehen gut und es wurde fast nichts geraucht, so dass die Luft in der kleinen Halle die ganze Zeit über verhältnismäßig gut war. Die Texte von Funny werden auch immer besser, obwohl das nicht nötig war. Aber wenn man Lebensanalyse in lustiger Form verpacken kann, wieso nicht?! - Ergo: Dieser Künstler ist nicht überflüssig. Und wir seh'n uns dann am Montag wieder.
(verfasst von l.j.)
'Line-Up' der 39 Lieder:
(*=von der aktuellen CD)
- Groooveman*
- Bonobo*
- Schilddrüsenunterfunktion*
- 11. September*
- Fleischfresser*
- Frauen dieser Welt*
- menschenverachtende Untergrundmusik*
- Nuttenauto+
- ich sehe Wind*
- alle müssen was tun*
- Emotionen Pause machen*
- Vladimir Putins Cousine*
- Tombolamusikant*
- nur du nicht*
- Kapitalismus*
- Schade - Scheisse*
- bitte mach mir ein Kind
- Homebanking
- Eurythmieschuhe
- der Fisch
- 1000 Dinge
- Arbeiterkinderdenkmal
- wenn jemand kommt
- Gwendolyn Kucharsky
- Naturfilm
- Posex & Poesie
- saufen
1. Zugabe:
- gutes tun
- Plastikball
- Hochhaus
- Freundinnen
- Korkenzieherlocken
2. Zugabe:
- Uruguay
- alles verkauft
- Tarzan ist tot
- rote Schuhe
- Fanclub der Sehnsucht
3. Zugabe:
- die letzte Zigarette*
- Dolores+
FvD-Berlin-Auftritte: 2000 2002 2003 2004 2005
zurück zur Übersicht    
meine Startseite