Künstler-Bio

Funny van Dannen

  weitere Auftritte

Funny auf der Bühne - Konzert und Lesung
01.03.2000 in der Volksbühne, Berlin [Zusatzkonzert]


funny-karte "Vollgas Funny, los! Gib Gummi." So hätte es anfangen können. Tat es aber nicht, denn Funny ist nicht nur funny, sondern ein Original. Somit kam er unvermittelt um 21:10 Uhr auf die Bühne und nach einem Witz über die derzeitige österreichische Regierung fing er gleich mit dem Lesungsteil an. Interessante Aspekte zwischenmenschlicher Gedankenspiele, die er auf seine ganz eigene, unbeschreiblich tolle persönliche Art jeweils fehlerfrei vortrug. Viel mehr kann man zu diesen Kurzgeschichten nicht sagen, obwohl sie nicht nur für den Moment wirkten, sondern auch tiefsinnigeren Inhalt hatten. Nach gut 35 Minuten war er als sein eigener Anheizer für den Konzertteil fertig und verschwand kurz im "Backstage-Bereich".
Unter begeistertem Jubel war er nach der Pause um 22:12 Uhr zurück. Mit dem umfangreichen Aufbau, welchen er für seine musikalisch unterlegten Gedankenergüsse betrieb, erzeugte er (unbewusst?) eine lockere, familiäre Stimmung. Seine extra mitgebrachte Blume positioniert er in der 'zufällig' rumstehenden Weinflasche und die Bühne erstrahlte dadurch in einem ganz neuem Licht. Die zahllosen Mundharmonikas wurden zurecht gelegt und die originalen !! Niederschriften seiner Lieder auf dem Notenständer aufgebart. Eine Partei hatte nach einem ihrer zahlreichen "Public-Relation-Contacts" einen (Papp)Nelkenbaum stehen lassen, der ebenso in seine Aussagen während der Veranstaltung eingebunden wurde, wie die anderen Requisiten. Alles war schließlich bereit, also konnte es los gehen.
Verhalten nahm das Publikum die ersten Stücke auf, denn mitsingen (jetzt im weitesten Sinne gesehen) konnte man nicht, da es ausnahmslos neue Stücke waren. Vor allem Hausmann und Lobdefizit waren sehr interessant. Sein unbekanntes Pferd brachte die ersten erwarteten 'Jubelstürme' für ihn. Gefolgt wurde dieses von lesbischen schwarzen Behinderten, wo er sich dann doch eine Anspielung auf die toten Hosen nicht verkneifen konnte. Da auch er etwas von seiner Show haben will, ist er scheinbar eher geneigt jeweils sein neues Schaffenswerk zu verkünden, um sich an der Reaktion des Publikums ergötzen zu können. Die weiteren Highlight waren für mich (neben dem ständigen Wechseln der ca. 20 Mundharmonikas) die neuen Stücke keine Gnade, Lunchpaket, Lobdefizit, warum denn kein Wunder und Weltschmerz. Auch ein Paar verfehlte seine Wirkung nicht. Ich hoffe inständig, dass demnächst ein weiteres Album von im herauskommt, denn so ziemlich alles, was er an neuem Material hatte, ist genial. Daneben sind aber seine Klassiker auch nicht zu verachten. Posex und Poesie, Eurythmieschuhe und saufen erzielten die größte Resonanz beim Publikum. Letzteres nicht zum Schluss deswegen, weil er sich oft und gern zwischen den Liedern einen Schluck Wein genehmigte. Nach den letzten beiden eher ruhigen Stücken Naturfilm und Fanclub der Sehnsucht verließ er die Bühne erneut. Seine Utensilien lagen zwar noch da, aber ob es eine Zugabe geben würde war zumindest in meinen Augen ungewiß. Nach einer 'endlosen' Zeit betrat er dann doch noch einmal unter herzlichstem Applaus der begeisterten Zuschauer die Bühne, um dann seine Ansichten zum Homebanking und Korkenzieherlocken zu offenbaren. Den gelungenen Abschluss bildete eine englische alternative Version zu seinem Song 'Jesus', also Holy Man.
Vier Alben Basics, Info 3, Clubsongs, Uruguay und immer noch nicht genug!

FAZIT: ' ... an allem sind die Männer schuld, Funny's meistens weiße ...'
Der Mann mit dem eingebauten "Merci"-Faktor beschränkte sich dieses mal aber mehr auf Formulierungen wie "Dankeschön. Vielen Dank.", denn sein 'merci'-Ausruf kam nur 3x. Aber das war egal, denn seine mittendrin eingeworfene Frage ("... mal guck'n wie's wird ... ") kann man eindeutig mit einer vollkommen positiven Antwort als "einzigartig innovativ" beschreiben. Selbst banale Ding wirken aus seiner Sichtweise betrachtet doch wichtig und besingenswert. Es sollte mehr Menschen geben, so wie er ist, dann hätte man viel mehr zu(m) lachen.

(verfasst von l.j.)

'Line-Up' der 7 Kurzgeschichten und 31 Lieder:
Lesungsteil:

(1) populäre Blumen
(2) was so bleibt
(3) von Hunden und Katzen
(4) Vormittagsgedanken
(5) mein liebstes Hobby
(6) der Dienstagsclub
(7) der Hirte mit dem Dudelsack

        Konzertteil:
  1. Störche gesehen*
  2. Lobdefizit*
  3. Mädchenmusik*
  4. Hausmann*
  5. chinesischer Dissident*
  6. unbekanntes Pferd
  7. lesbische schwarze Behinderte
  8. der Fisch
  9. Dias von Tibet*
  10. mäusemalende Frauen*
  11. bitte mach mir ein Kind*
  12. Eurythmieschuhe
  13. keine Gnade*
  14. ein Paar
  15. Posex und Poesie
  16. mehr als Geld*
  17. Luchpaket*
  18. Weltschmerz*
  19. Anita war ein Junge*
  20. alles verkauft
  21. Freundinnen
  22. als Willy Brandt Bundeskanzler war
  23. warum denn kein Wunder*
  24. harmlos*
  25. Urbanhafen
  26. saufen
  27. Naturfilm
  28. Fanclub der Sehnsucht
    Zugabe:
  29. Homebanking
  30. Korkenzieherlocken
  31. Holy Man* (alt. engl. Version zu 'Jesus')

Im November 2000 erschien dann endlich ein Mitschnitt jener legendären Auftritte in Berlin (CD-Titel: "Melody Star"), wo sämtliche 17 neue Songs drauf enthalten sind und das Stück `hallo Heimat`. Als Bonus gibt es im Booklet noch die 1., 6. und 7. Geschichte des Lesungsteils zum Rezitieren.


FvD-Berlin-Auftritte:       2000       2002       2003       2004       2005
zurück zur Übersicht     meine Startseite