Künstler-Bio

Chris de Burgh'99

Tour: "Quiet Revolution" ===> Auftritt: 01.11.1999 im ICC Berlin


chris-karte Die Vorzeichen waren nicht gut. Viel Zeit war ins Land gegangen, bis es etwas Neues von Chris de Burgh zu hören gab. Als dann das neue Album quiet revolution erschien, fragte ich mich dann doch, ob man nicht während des Konzerts einschlafen würde. Es waren zu viele ruhige Songs drauf und dann auch noch ein Konzert in einer Halle mit zu wenig frischer Luft und gut gepolsterten Stühlen - eigentlich idealere Voraussetzungen als während den Vorlesungen ...

Aber zum Glück kam vieles ganz anders. Um 20:10 Uhr fing er sogar fast pünktlich an: mit dem schon legendären Show-Opener-Intro. Als sich der (angemessene) Applaus langsam legte und die Bühne wieder erhellt wurde, begann die Show unter erneutem Jubel mit when I think of you, living in the world und love of the heart divine vom neuen Album. Anschließend sprach er in akzentfreiem Deutsch mit dem Publikum ('Es ist schön wieder hier in Berlin zu sein ...'), welches dieses aber nicht richtig zu würdigen wusste. Der Funke war noch nicht so richtig übergesprungen. Als er sich dann aber auch über die 'Location' lustig machte ('.. the seats are very comfortable ...' ), war das Eis gebrochen und mit sailing away vom flying colours folgte gleich einer der großen Erfolge. Anschließend spielte er zwei rockigere Stücke aus dem 94-er Album this way up: love's got a hold on me und oh my brave hearts. Nachdem er sich (im positiven Sinne) wie ein Schneekönig gefreut hat, dass es in Berlin so viele schöne Frauen gibt, gab es aus dem Publikum wiederum wenige Reaktionen. Erst mit der Aussage 'maybe you don't know it' wurde es laut (vor allem Frauen pflichteten ihm bei). Es folgte ein weiterer Block vom neuen Album, wo vor allem the same sun wunderbar beim Publikum ankam und er sich auch wie fast nach jedem Song artig für den Beifall bedankte - welcher im Verlauf des Konzertes von Lied zu Lied zunehmend lauter und stärker wurde.
Nach quiet revolution folgte ein von ihm vorgeschlagenes Intermezzo mit Beatles - Songs, welches dem Publikum aber zu spontan war, da diese auch nicht die Texte kannte. Neben Lennon/McCartney gedachte er auch anderen Songschreibern. Dieses Mal welchen von der Ostküste der Vereinigten Staaten. Auch tat er kund, dass er sich gewünscht hätte einen ihrer Songs selbst geschrieben zu haben. Als alter Fan dieser Band glaubte ich meinen Ohren nicht trauen zu können, als er tatsächlich die EAGLES meinte!! Da nach über 20 Jahren dieser Song endlich freigegeben war, ließ er es sich nicht nehmen, seine eigene Interpretation von Hotel California darzubieten. Dabei zog er sich gut aus der Affäre. Erstmalig kamen 'Zugabe'-Rufe, die sich somit direkt auf die Performance von Eagles-Songs bezogen. Nachdem er die Band vorstellte, kamen wieder Lieder, die ihn berühmt gemacht haben. Missing you wurde schon nach den ersten paar Noten erkannt und vom Publikum begeistert aufgenommen. Die laut Saalordnung nicht tolerierten Feuerzeuge und Wunderkerzen wurden dann zu seinem Klassiker schlechthin, der lady in red hervorgeholt. (Eigentlich stammt dieser Song ja vom into the light Album, aber die Fans machten in gewohnter Weise mit, so dass sich der Song wie vom high on emotion - live from Dublin Live-Album anhörte.)
Die Stimmung wurde immer besser und zu the revolution stand der (so gut wie ausverkaufte) Saal geschlossen auf und feierte mit ihm mit. (Vergleiche zu Ereignissen in Berlin von vor 10 Jahren sind an dieser Stelle wohl gewollt.) Nach zwei Songs, wo die Band im Vordergrund stand (z.B. discovery vom '77er at the end of a perfect day ) und er kurzzeitig von der Bühne verschwand, folgte entgegen seiner Aussage diesen Song nicht mehr an einem Montag zu spielen von der LP the Spanish train & other stories die Geschichte von Patricia the stripper. Beim ersten Refrain wurde ihm ein Kleidungsstück der Kategorie "Frauenunterwäsche" zugeworfen, woraufhin er den Song kurz unterbrach, um sich damit zu beschäftigen. Während dann die Band von der Bühne ging, spielte er am Piano here is your paradise und das sofort bejubelte borderline.
Die Band gesellte sich dann wieder zu ihm (auf die bereitgestellten Stühle) und es folgten die akustischen Versionen von my lover is und the snows of New York. Letzteres in starker Anlehnung an die '95er Aufnahme auf dem Beautiful Dreams Album, wo er die Songs mit dem London Session Orchestra einspielte. Einfach unbeschreiblich, wie man doch bei besonders diesen beiden Songs mitfühlen konnte. Nach diesem Balladenteil zog er das Tempo wieder an und über nothing ever happens round here und weiteren neuen Songs kam er zu blonde hair, blue jeans. Besonders jetzt war die an der rechten Bühnenseite stehende 'Cheerleaderin' im Mittelpunkt des Geschehens, da außer der Kleidung (Anspielung auf Lady in Red) nun auch die anderen äußeren Merkmale besungen wurden ...
Nun kam der letzte Teil der Hauptshow. Das schon mehrmals während der Show vom Publikum geforderte don't pay the ferryman. (Dessen Namen ihm aber bis kurz vor dem Spielen noch nichts gesagt hatte - nach der Devise: Kenn' ich nicht. Hab' ich das etwa geschrieben? ;-) ) Die Fans standen wieder und tobten förmlich. Danach folgte eine kurze Pause. Nach einigen Minuten erschien er wieder auf der Bühne und spielte wie schon auf seiner 90'er Tour die beiden anderen zum 'Ferryman' gehörenden Songs diese Trios, say goodbye to it all und als weiteres Highlight high on emotion (vom man on the line Album).
Danach gab es minutenlang stehende Ovationen. Diese Show durfte einfach noch nicht auf ihrem Höhepunkt zuende sein - dachten sich die meisten anwesenden Fans und verlangten eine weitere Zugabe. Nach endlos scheinenden Minuten des Hoffens, betrat er (überraschender Weise) doch noch einmal die Bühne. Er bedankte sich wieder einmal für die ihm entgegen gebrachte Sympathie. Um den Adrenalinspiegel des Publikums wieder zu senken spielte er where peaceful waters flow (the getaway) gefolgt von einem kurzweiligen sing-along Interlude. Den definitiven Abschluss bildete dann hey Jude von den Beatles.

FAZIT: 'if they call him, he'll be waiting til it's time to go ... but he's NOT ready yet'
Eine rundum gelungene Show, die eigentlich keine Schwachpunkte hatte (abgesehen von der teilweisen unbegründeten Zurückhaltung des Publikums). Die Akustik insgesamt war nicht so gut, aber mit der Zeit konnte man sich an alles gewöhnen. Auch war er wieder erwartend sehr agil auf der Bühne, so dass man merkte, dass auch er seinen Spaß hatte. Überraschender Weise spielte er sogar 11 der 15 neuen Songs (73 Prozent) die aber auch schon wie alte Klassiker aufgenommen wurden. Da er die nicht gespielten Songs wenigstens angesungen hat, und 'a spaceman came travelling' durch 'Saint Peters Gate' ersetzt hat, fehlte eigentlich kein Song, den er unbedingt noch hätte spielen müssen, was einen Extra-Bonus verdient.

PS: Songtexte, Bilder, Berichte, News, ... gibt es auf der offiziellen Chris de Burgh Homepage (www.cdeb.com).

Line-Up der sage und schreibe 32 Songs:
    intro (instrumental)
  1. when I think of you
  2. living in the world
  3. love of the heart divine
  4. sailing away
  5. love's got a hold on me
  6. oh my brave hearts
  7. the same sun
  8. Saint Peter's Gate
  9. a woman's heart
  10. quiet revolution
  11. 'Beatles'-Interlude
  12. Hotel California
  13. missing you
  14. lady in red
  15. the revolution
  16. (this weight on me)
  17. discovery
  18. Patricia the stripper
  19. here is your paradise
  20. borderline
  21. my lover is
  22. the snows of New York
  23. Natasha dance
  24. nothing ever happens round here
  25. I want it,(and I want it now!)
  26. blonde hair, blue jeans
  27. don't pay the ferryman
    1.Zugabe:
  28. say goodbye to it all
  29. high on emotion
    2.Zugabe:
  30. where peaceful waters flow
  31. 'la la la'-Medley
    (incl. I'm not scared anymore / tender hands / lady in red / say goodbye to it all)
  32. hey jude


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