Künstler-Bio

Bon Jovi 2000

Crush-Tour 2000 ---> Auftritt: 05.09.2000 in der Waldbühne, Berlin Sowie: München 30.06.01


Während die Konzerte von Bryan Adams und den Toten Hosen dieses Jahr ins Wasser gefallen sind, ist auf das Konzert von Bon Jovi nur Wasser drauf gefallen.
Entgegen meiner Vermutung war aber das schlechte, regnerische Wetter kein besonders großes Hindernis, denn die Stimmung war außerordentlich gut. Nahezu pünktlich betraten dann die Anheizer, die (relativen) Newcomer Toploader, die Bühne und schafften es dann sogar, während ihrer Performance, den Regen zu vertreiben. Obwohl ihre Darbietung nicht schlecht war (und die äußerliche Ähnlichkeit zu den Jungs von Bon Jovi bestimmt nur rein zufällig ;-)), bekommt jede Vorband dann den größten Applaus, wenn sie endlich das Feld räumt. So war es auch hier und überpünktlich (19:57 Uhr) betraten dann - nach über fünf Jahren - wieder Bon Jovi eine Bühne in Berlin.

Wie nicht anders erhofft, war besonders Jon richtig gut gelaunt und wie in ihrem neuesten Video (zu say it isn't so) präsentierten sie sich dann sogar in der gleichen Aufstellung den begeisterten Fans. Eindeutig bewiesen sie mit ihrem Opener, einer Thin Lizzy Cover-Version: the boys are back in town. Und wie! Gleich gefolgt von I believe vom '92er Album keep the faith setzten sie von der ersten Sekunde an auf pure Action. Den Fans gefiel das natürlich und sie sangen gleich ab dem ersten Wort begeistert mit. Es ist schon selten genug, dass eine Band so viel richtig gute Hits hat, aber den Songwritern J. Bon Jovi / Sambora (/ Child) sind im Laufe der Jahre doch zugegebener Maßen sehr viele solche Kunststücke gelungen. Besonders wenn man die schnelllebige Zeit der Musikbranche betrachtet. Somit sind sie gleichzusetzten mit Chinn/Chapmann, Lennon/McCarthney und Henley/Frey, welche zu jeweils ihrer Zeit auch die meisten Hits schrieben.
Es ist zwar hoch gegriffen, aber schon bei you give love a bad name tobte die Menge und es gab kein Halten mehr. Denn 'you are to blame!' ruft doch wohl jeder gern, oder?!
Nach der Begrüßung der Fans (mit der Bemerkung: "ain't we all a little bit crazy") folgte dann eine Serie von Songs des aktuellen Albums crush. Captain Crash and the beauty queen from mars (Crash schienen sie auch im Publikum auszumachen) und say it isn't so wurden begeistert von den Fans aufgenommen, aber bei one wild night kam noch mehr Jubel aus dem Publikum. Die Bars (Requisiten des Bühnenbilds) waren nun eröffnet (wo war Tony Soprano als Besitzer des "bada bing!"?) und nach und nach auch mit 'Gästen' gefüllt. Wie diese Fans von den anderen (vor allem weiblichen) beneidet wurden ist wohl klar, zumal das folgende durch two, three, four angezählte (you were) born to be my baby sicher jedes Frauenherz höher schlagen lässt. Man sah den Jungs von Bon Jovi echt an, dass sie sich derzeit wieder besonders gut zu verstehen scheinen und das ist ja besonders bei einer Live-Performance wichtig.
Nach dem obligatorischen Verweis auf das neue Album folgte seine Proklamation: it's my life. Anschließend wurde es auf der Bühne dunkel und ruhig, bis Jon im atmosphärisch anregendem Spot überraschender Weise den dennoch begeisterten Fans eine alternative, d.h. langsame Acapella-Version von runaway brachte. Damals, 1984 ihr Durchbruch, und immer noch angesagt wie nie. Zumal diese Variante auch genial war. Um diese herzerweichende Stimmung nicht gleich wieder kippen zu müssen, hielt er es für angebracht gleich noch bed of roses nachzulegen. Der einzige Moment des Konzertes, wo Feuerzeuge und Wunderkerzen wirklich gebraucht wurden. Und wie fantastisch das aussah. Das nahezu ausverkaufte Amphitheater bot einen wunderschönen Anblick bei diesem Lichtermeer. Da waren auch keine zusätzlichen Bilder auf den spartanischen Leinwänden links und rechts der Bühne notwendig, um diese Stimmung zu unterstützen. Während des Songs tanzte er wieder mit einigen weiblichen Gästen der Bar, wovon sich eine sogar einen Kuss von Jon abholen konnte.
Nach diesem gefühlvollen Interlude ging es weiter mit someday I'll be Saturday night (cross road, 1994) und wild in the streets (slippery when wet, 1986) an welche sich auch noch jeder gut erinnern konnte. Dann brachten sie den besten Song vom neuen Album, das Stück just older. Die Fans sangen sich dann selbst zu lay your hands on me (New Jersey, 1988) ein, welches auch richtig lange zelebriert wurde. Das war aber noch gar nichts, wie sich noch herausstellen sollte, denn wie schon auf der '94er Tour ging es gleich anschließend weiter mit I'll sleep when I'm dead in welchem er auch zwischendrin einiges über sein Leben und seine Filmkarriere erzählte. Aber egal was er von sich gab, die Fans waren begeistert, da diese nicht interessierte was, sondern dass er etwas erzählte. Neben einem "Sing-Along" für die Fans brachte er auch wieder einmal noch ein paar Zeilen von rocking all over the world mit ein und die Fans gingen jeweils unaufgefordert mit. Somit kam der ursprüngliche Song dann fast auf 15 Minuten. Für diese Nummer, die als Studiotrack 'nur' 4:44 Minuten lang ist schon beachtlich. Bad medicine bildete dann den Abschluss der Hauptshow, wo sogar (jedoch nicht ganz überraschend) noch ein paar Takte von shout auftauchten. Selbst wenn die wörtliche Übersetzung des Text ("deine Liebe ist wie schlechte Medizin, und schlechte Medizin ist, was ich brauche") nicht unbedingt sehr geistreich erscheint, ist's so aber zum Mitsingen allemal tauglich, zumal er ja aus einer anderen Zeit stammt. Da es aber erst 21:38 Uhr war, wollten die mittlerweile vollkommen durchnässten Fans aber noch einiges für ihr gelöhntes Eintrittsgeld geboten bekommen, zumal noch ein paar der ganz großen Hits fehlten. Nach den obligatorischen Rufen der Fans nach Zugabe etc. hatte Jon sein Kopftuch wieder abgenommen und Richie den Hut gewechselt. Sein schwarzer Cowboy-Hat symbolisierte genau das, was dann kommen sollte: wanted dead or alive brachte Richies Güteklasse an der Gitarre wieder einmal voll zur Geltung. Den Abschluss bildete dann berechtigter Weise keep the faith und alle konnten glücklich nach Hause gehen, denn den Abend über dabei gewesen zu sein hatte wohl keiner der Anwesenden bereut.

FAZIT: ' I ain't gonna live forever, I just wanna live while I'm alive, it's my life '...
Das neu gewonnene Lebensgefühl der Band übertrug sich zu 100 Prozent auf die Fans. Eine rundum gelungene Show von Bon Jovi, wenn auch leider etwas zu kurz, denn nur knapp 2 Stunden sind dann doch enttäuschend, zumal die Stimmung gut war und es noch so viele Songs gegeben hätte, auf die sich so manch ein Fan insgeheim bestimmt gefreut hat. Aber es ist halt nicht ihre 'Greatest Hits'-Tour gewesen, sondern zum aktuellen Album, von welchem sie ja auch fast die Hälfte spielten (5 von 12). Die Akustik wurde dann auch während des Konzertes immer besser, so dass seine Stimme bald über den Instrumenten lag und nicht zwischen diesen, wie am Anfang, nahezu unter ging. Außer, dass kein einziger Song vom 1995er these days-Album gespielt wurde, was ich persönlich schade fand, (denn so schlecht, wie sie selbst im Nachhinein darüber reden, ist es nun wirklich nicht!!!) war die Show ansonsten sehr ausgewogen. Klar, jeder hat so seine Favoriten und Songs wie 'dry coutry', 'blood on blood', 'real life' oder die schnelle Version von 'runaway' hätten durchaus auch noch kommen können, aber maximal vier von jedem anderen Album schien die Obergrenze zu sein. Ein anderes Konzept schien zu sein, dass eben weder etwas von these days zu spielen sein sollte, noch 'Schnulzen' wie z.B. 'in these arms', 'never say goodbye', dieses (überschätzte) 'always' oder etwas von Jons oder Richies Soloprojekten. Alles in allem war der Abend dennoch wirklich toll und hoffentlich war es nicht ihr letztes Mal, dass sie hier waren.

Line-Up der (leider nur) 19 Songs:
  1. the boys are back in town
  2. I believe
  3. you give love a bad name
  4. Captain Crash and the beauty queen from mars
  5. say it isn't so
  6. one wild night
  7. born to be my baby
  8. it's my life
  9. runaway [acoustic version]
  10. bed of roses
  11. someday I'll be Saturday night
  12. wild in the streets
  13. just older
  14. living on a prayer
  15. lay your hands on me
  16. I'll sleep when I'm dead (inkl. 'rocking all over the world')
  17. bad medicine (inkl. 'shout')
    Zugabe:
  18. wanted dead or alive
  19. keep the faith

Ergänzung:

Im Rahmen ihrer gleich anschließenden "One Wild Night"-Tour gab es wieder das `gewohnte` Programm, also ein Mix aus schnellen und langsamen Songs. Hier nun die Playlist (thanks to sebbi) von ihrem Auftritt in München (30.06.2001 - Olympiastadion):

*=neu/wieder im Programm

  1. one wild night
  2. raise your hands*
  3. you give love a bad name
  4. in these arms*
  5. born to be my baby
  6. always*
  7. I've got the girl*
  8. it's my life?
  9. Captain Crash and the beauty queen from mars
  10. just older
  11. wild in the streets
  12. blaze of glory*
  13. lay your hands on me
  14. someday I'll be Saturday night
  15. bad medicine (inkl. 'shout')
  16. I believe?
  17. keep the faith
  18. wanted dead or alive
  19. living on a prayer
  20. I'll sleep when I'm dead (inkl. 'tequila'*)
  21. twist & shout*
  22. I'll be there for you*

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