Künstler-Bio

Blackmore's Night

===> Auftritt: 26.04.2002 Passionskirche, Berlin


Blackmore's Night-ticket Was für ein Abend. Und er wurde noch besser, als ich dem Konzert entgegen fieberte. Da ich letztes Jahr keine Gelegenheit hatte Blackmore's Night live zu sehen, ließ ich mir an diesem Abend diese Chance nicht noch einmal entgehen. Und es hat sich wahrlich gelohnt, zumal der Veranstaltungsort auch sehr passend war: eine Kirche. ...
Der Regen, den es den ganzen Tag über zur Genüge gab, blieb den wartenden Fans zum Glück erspart, bis es endlich in die Kirche hinein ging. Der Einlass verzögerte sich bis auf 19:35, aber dann ging es relativ zügig hinein. Sogar ohne Leibesvisitation, was sehr für das entgegengebrachte Vertrauen der Künstler sprach. Während sich also die teilweise kostümierten Fans zu den Sitzbänken begaben, war Nikolai de Treskow, Deutschlands einziger Minnesänger, schon voll in seiner Show drin. Eine interessante Einstimmung, da er auch gelegentlich zu höfischem Tanz aufforderte. Aber auch das war bald geschafft und dann war es ab 20:15 Uhr soweit. Das einzige Deutschlandkonzert von Blackmore's Night konnte beginnen.

Die Lichter gingen aus und es zuckten Blitze (mit der entsprechenden akustischen Untermalung) über die Kulisse eines Torbogens einer alten Burg. Als sich der Nebel legte, sah man die Band und dann war es Zeit für den Auftritt von Candice Night, die - ganz in Weiß gehüllt - sich mit einer alten Laterne den Weg (zu den Herzen der Fans?) leuchtete. Getragen wurden diese wenigen Sekunden von einem Intro, was stark an "the clock ticks on" erinnerte. Der erste Live-Song war dann die erste Strophe von written in the stars (in einer Acapella-Version) von der aktuellen CD fires at midnight [2001]. Gefolgt von dem Titeltrack ihres ersten, 1997 erschienen, Albums shadow of the moon. Gleich hier wurde klar, dass Ausnahmemusiker auf der Bühne standen. Denn was der Violin-Spieler (Chris Devine) aus seinem Instrument herausholte war sagenhaft. Gewöhnlich sind Fans ja beim Auftakt eines Konzertes eher verhalten, aber hier gingen sie gleich bei den ersten Songs richtig mit. Das erfreute scheinbar auch Candice und natürlich auch die anderen der Band. Aber es war dann doch an ihr, mit morning star echte Interaktion mit den Fans zu praktizierte - und es gelang gleich auf Anhieb! Dabei waren noch keine 10 Minuten um, Wahnsinn ...
Unter tosendem Applaus begrüßte Candice, die auch als einzige das Mic-Work tat, dann die von nah und fern angereisten Fans. Da Ritchie ein "notorischer Lügner" ist, war er schon 14 Mal in Berlin, während Candice sich zurückhielt und angab mit Blackmore's Night schon 3x in Berlin gewesen zu sein. Und auch das weitere sprach Ritchie nicht direkt ins Mikro, so dass Candice sein gesagtes weitergeben musste. "... [he] is shy and leaves the talk to someone, who has nothing to say ..." . Einen netten Lebensabschnittspartner, den sie sich da ausgesucht hat ;-).
Weiter ging es dann mit Play Minstrel Play, aber wichtiger war, was anschließend geschah. Denn schon während des Songs störte Ritchie die aufgebaute Deko, so dass er sich einen der Bäume erst einmal aus dem Weg schaffte ... und natürlich den Fans direkt vor die Nase stellte. Aber Candice schlug sich auf die Seite der Fans und als alle wieder die Bühne sehen konnten gaben sie Avalon (under a violet moon [1998]) zum Besten. Nach dem Instrumental ministral hall durften bei under a violet moon die Fans endlich wieder lautstark mitsingen. Das taten diese zwar schon die ganze Zeit über, aber nun setzte Candice während des Refrains extra aus. Sie gab den Anschein, mehr als überrascht zu sein, wie laut das Publikum mitsang. Somit wurde der Refrain nicht nur ein paar Mal mehr als üblich wiederholt, sondern nach einem kurzen Zwischenspiel von Ritchie, noch weitere Male 'zelebriert'. Fantastisch. Um die Fans anschließend wieder abzukühlen gab es ein ruhiges Prelude für die Cover-Version vom Dylan Klassiker the times they are a changin'.
Nach einem kurzen Break, wo die Bühne von einigen verlassen wurde, gab es aus Ritchies Vorzeit bei 'Deep Purple' die soldiers of fortune und nach einem Instrumental, wo vor allem der Geiger wieder im Vordergrund stand und sich nahezu verausgabte, sixteenth century greensleeves. Letzteres stammt glaub ich aus Blackmores Zeit mit 'Rainbow'.
Die Auszeiten nahmen jetzt zu, aber dafür war die Rückkehr auch jedes mal um so heftiger umjubelt. Sie hatten die Fans voll im Griff und spielten dann fires at midnight. Wiederum war es die Geige, die das Stück ausschmückte und auch dafür sorgte, dass das Stück zu einer fast 10-minütigen Version wurde. Ruhiger wurde es bei midwinter's night, in welchem sich Candice immer wieder von Ritchie hat necken lassen müssen. Aber sie wollte den Song nicht versauen, so dass sie es sich gefallen lassen mußte. Nun wurden die Fans mit dem meiner Meinung nach besten Stück der aktuellen CD beglückt. Noch harmlos von Candice angekündigt mit der Formulierung "... I guess in German it's called 'es ist gut wieder zuhause zu sein' .... " gab es ne Verzögerung, weil Ritchie einfach nicht den richtigen Anfang spielen wollte. Aber dann gab es kein halten mehr "dancing in the moonlight, singing in the rain, oh it's good to be back home again".
Die anschließende Geschichtsstunde führte in die Zeit zurück von King Henry VIII und seiner 5. Frau Catherine. Als auch geklärt war, dass das eine Mikro bestimmt noch aus der Zeit von 'Rainbow' stammt gab es also past time with good company (was sie auch gleich auf den heutigen Abend bezog) und Catherine Howard's fate. Nach einem weiteren Instrumental gab es dann die renaissance faire zu dem (endlich!) alle aufstanden. Und obwohl es zwischen den Kirchenbänken ziemlich eng war, hielten die meisten sogar noch bei the clock ticks on durch. Bei dieser Musik kann man eh nicht einfachen nur still sitzen bleiben. Mittlerweile war es 22:03 und nach den 100 Minuten der regulären Show warteten alle gespannt auf die Zugabe.
Als erstes Stück der Zugabe kam wieder was aus der musikalischen Vergangenheit von Ritchie. Danach ging es dann mit dem regulären 'Blackmore's Night' Programm weiter und es folgte der Balladen-Mix wish you were here / ocean gypsy und der Saal sang bis zur letzten Note mit. Mittlerweile 22:17 hoffte ich auf ne weitere Zugabe und es gab sie wirklich. Es wurden die mitgebrachten Lichteffekt ausgereizt, als es zu Projektionen von Sternen kam und all because of you und I still remember bildeten den würdigen Abschluss dieses wunderbaren Musikreigens. What a night. ...
Hatten zumindest alle gedacht, aber es ging sogar noch weiter. Nachdem die Band schon so gut wie weg war, meinte Candice (scheinbar kurz entschlossen), dass wir (die Fans) heute richtig gut waren und sie sich mit einem Lied bedanken wollte, was sie nicht überall singen. Und ich dachte "ja, wenn es wirklich noch weiter geht, dann lass es bitte now & then sein". Sie setzte sich an den Bühnenrand und begann dann acapella mit den Worten "the past is so familiar, that's why you could not stay ..."

FAZIT: '... even when this show has come to an end - I may think of you now and then ... '
Eine herzergreifende Show durch und durch. Was man mit diesen traditionellen und/oder altertümlichen Melodien noch in dieser Zeit erreichen kann ist einfach sagenhaft. Zu keiner Zeit der Show kam Langeweile auf oder war man gewillt, sich in die Realität zurück zu wünschen. Zudem waren ja nicht nur die Fans von der ersten Sekunde an voll dabei, sondern hatten auch alle Musiker sichtlich Spaß an diesem Abend. Es hat einfach alles gepasst und der Abend wird ein unvergesslicher bleiben. Mehr gibt es nicht zu sagen. Nur die dabei waren werden diesen Zauber gespürt haben, weit nach 22:35 Uhr hinaus. Zumal es bei Verlassen der Kirche wie aus Eimern goß. Aber der Regen macht eigentlich nicht viel aus, denn obwohl man bis auf die Knochen durchweichte, hatte man doch dadurch gleich wieder diesen Ohrwurm auf den Lippen: "dancing in the moonlight, singing in the rain, oh it's good to be back home again".

Playliste (25 Songs):
  1. the clock ticks on (intro-instrumental)
  2. written in the stars (1. Strophe, Acapella)
  3. shadow of the moon
  4. morning star
  5. play minstrel play
  6. avalon
  7. ministrel hall (instrumental)
  8. under a violet moon
    instrumental-interlude
  9. the times they are a changin'
  10. soldiers of fortune
  11. durch den Wald zum Bach Haus (instrumental)
  12. sixteenth century greensleeves
  13. fires at midnight
  14. midwinter's night
  15. home again
  16. past time with good company
  17. Catherine Howard's fate
  18. possum goes to Prague (instrumental)
  19. renaissance faire
  20. the clock ticks on
    Zugabe:
  21. ...
  22. wish you were here / ocean gypsy
  23. all because of you
  24. I still remember
    Bonus:
  25. now and then


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