Here I am - Tour ---> Auftritt: 16.11.2002 im Velodrom (Berlin Arena), Berlin
Alternative Kritik dieses Konzerts (badams02a.txt - Verfasser: lbj.)
Dafür, dass es nur den Soundtrack zu dem Zeichentrickfilm "Spirt" als neue Lieder von ihm gab, war das Konzert gut besucht. Sogar um 18:35 musste man schon anstehen, obwohl es erst 20:00 Uhr los gehen sollte. Beim letzten Konzert war der Andrang ja so "früh" noch nicht so groß gewesen. Aber wenigstens war es überdacht und somit war das Warten eigentlich nicht so schlimm. (Nicht wahr, Aniko *g*.)
Beim Betreten der Halle musste man an der kleine Bühne vorbei, so dass es wieder so aussah, als ob es dort wiedermal ein Intermezzo geben würde. (Wahrscheinlich das altbekannte: ein paar Fans, so 3-4 Liedern u.a. "she's only happy when she's dancing". Er muss sich ja nicht neu erfinden, wenn es dem Publikum doch so gefällt.)
Wie dem auch sei, traten gegen 20:11 Uhr dann die Jungs von Vega 4 als Vorband an und machen ihre Sache auch ganz gut. Der Frontman der Iren sprach sogar etwas deutsch, jedoch war die permanente Gefühlsdarstellung schon fast zu viel und wirkte dadurch teilweise aufgesetzt, obwohl es bestimmt nicht so war. Am Bemerkenswertesten war aber, dass die Fans auf Anhieb mitmachten, als sie zum Mitklatschen aufgefordert wurden, so dass klar war, dass auch Bryan nachher (zu) leichtes Spiel haben würde. Eigentlich schade, denn wenn er automatisch gewinnt, muss er sich ja nicht mehr besonders doll anstrengen, um das Publikum für sich einzunehmen.
21:05 Uhr betrat er dann die Bühne und begann, wie eigentlich nicht anders zu erwarten war, mit dem Headliner der Tour: here I am vom besagten Soundtrack Spirit [2002]. Also der gleiche Anfang, wie vor gut einem halben Jahr bei der Campus Invasion. Allerdings hatte er damals nicht so die Probleme mit der Gitarre wie heute, aber das wurde gleich darauf gelöst und es konnte planmäßig weiter gehen. Überraschender Weise hatte er sogar was ganz altes im Gepäck, was er, wenn ich mich recht erinnere, die letzten Jahr nicht gespielt hatte. Vom 91er waking up the neighbours gab es den house arrest. Dann folgten aber schon die Standard-Nummern als da wären 18 'til I die und can't stop the thing we started. Beim letzteren flogen schon mal ein paar Luftballons durch den Saal, die dadurch halt immer mal n paar Fans davon abhielten den "sagenumwobenen Holzfäller-Rhythmus" mitzuklatschen.
Nun gab es endlich die Begrüßung von ihm und mit einer neuen Gitarre ausgestattet ging es dann back to you. Hiernach folgte ein interessante Variante von Summer of '69. Denn da er ja das Publikum, wie eigentlich immer, vollends kontrolliert, startete er die Nummer etwas langsamer als gewöhnlich (also ähnlich der unplugged-Version von 'damals'), um dann dennoch im Mittelteil noch schneller zu werden, als bei der originalen '84er Aufnahme. Vielleicht wollte er ja da irgendwelchen Leuten, die den Song covern wollten den Wind aus den Segeln nehmen. (Denn der Garth Brooks Song "if tomorrow never comes" in der Aufnahme von R. Keating ist nun wirklich nicht besonders toll geworden.) Wie dem auch sei, bemerkte er, dass es das erste mal überhaupt ist, dass er in Berlin in einer Halle spielt (aber das sollte ja klar sein, da er sonst nur im Sommer vorbei kommt). Die Band hatte er ja auch wieder auf 5 Leute aufgestockt. (O-Ton: "we have us multiplied"). Bei it's only love, was er damals zu Beginn seiner Karriere mit Tina Turner aufgenommen hatte, konnte Keith wieder mal an der Gitarre mit einem Solo glänzen. Dennoch gefällt mir der Song immer noch nicht. Nach der Nummer rief jemand "Bryan!" worauf hin er einfach nur "Was?" antwortete.
Den nächsten Song kündigte er mit "sing with me if you like" an und brachte dann
everything I do (I do it for you) - dazu ist ja nicht viel zu sagen. Denn die letzten "I do it for you" zögerte er wie üblich hinaus und das Publikum fiel (wie immer) gern darauf rein und dachte, er meint wirklich, dass er nur für sie heute Abend singt. .... Das erste Finale war dann cuts like a knife, wenn auch die Leute nicht so laut mitsangen wie noch vor 6 Jahren; dennoch schön. Das dachten auch viele andere, denn es gab jetzt schon (21:55 Uhr) minutenlangen Applaus für ihn und die Band. Aber von diesem Extrem fiel er sofort runter, als er sich wieder ein Mädchen für when you're gone auf die Bühne bat. Ich war ja auf einiges gefasst, aber wer dann auf die Bühne kam war ungeheuerlich: wiederum Maxi!!! (Also die gleich, wie bei der Campus-Invasion in Potsdam.) Ob das nun abgesprochen war oder nicht bleibt wohl auf ewig ungeklärt, aber war halt nicht wirklich ein Highlight für die Leute, die sie erkannten. Denn so etwas hatte er doch eigentlich nicht nötig. Sie gab sich nicht zu erkennen, was ich als weiteres Indiz für den Fake nahm. Sie brachte (wieder in Englisch) die gleichen Fragen bzw. Sätze und spielte dann "überraschender Weise" erneut ein paar Takte an den Drums. Bekam wiederum die Sticks und ließ sich wieder feiern; diesmal jedoch vom getäuschten Publikum. Sang (zufälliger Weise auswendig) mit ihm den Song und machte nicht mal den kleinsten Versuch ihm während des Liedes nahe zu sein. Sie zog einfach wieder ihre Show ab, wie schon damals. Wirkte als Stimmungstöter. Anschließend verschwand sie hinter der Bühne mit der Gewissheit sowohl für sich, als auch für ihre Schwester und Mutter je ein T-Shirt abgestaubt zu haben.
Mit dem restlichen Programm konnte er dann auch nicht mehr viel retten, aber er gab sich Mühe. Wieder die langsame Version von I'm ready und dann mal ne kleine Geschichte zum nächsten Lied. Denn nun wollte er seinen ersten Nummer 1 Hit spielen, zu dem er eine ganz eigene Meinung hat. Even after all thoses years "the words don't make sense. - But you liked it." Und, was gab es jetzt wohl? straight from the heart. Genauso schön wie bei der Campus Invasion. Das abschließende Trio des Hauptteils waren dann heaven (ähnlich wie bei "summer of 69" mit einem schnelleren Part und dann auch langsamerem Zwischenspiel), somebody und the only thing that looks good on me is you. Wie immer gab es dabei dann das Wechselspiel zwischen den Fans und ihm beim Zurufen, wer denn nun an wem besser aussieht. "you", "you", "you","you" also das alte Reinhold-Helge-Spiel.
Als alles dann am "Zugabe"-Rufen war, war er 22:28 Uhr auf der kleine Bühne zugegen und spielte dabei neben dem erwarteten she's only happy when she's dancing noch a little less conversation (solche Trend-Cover hat er eigentlich nicht nötig, aber nun gut) und 3 weitere Songs dieser Ära. Als dann auch Maxi wiederum bei ihm war und mittanzte war wieder alles klar. (Ich frag jetzt lieber nicht, wie sie es bei diesem dichten Gedränge geschafft hatte durch die halbe Halle zu gelangen und auch noch zu den wenigen Auserwählten zu gehören, die auf der Bühne mittanzen durften.) Dafür hatten die Beleuchter über der Hauptbühne auch ein paar Sekunden Ruhm, als sie im Takt vom Gerüst aus mitmachten. Sah schon lustig aus und zeigte, dass auch sie da oben ihren Spaß hatten.
Gut, fehlten also nur noch cloud #9 und run to you von der Campus-Setliste ("get of of my back" würde wohl nicht mehr kommen) welche er dann, zurück auf der Hauptbühne, ab 22:46 Uhr gleich hinterher schoss. Mit best of me war denn der Höhepunkt erreicht. Er kam auch den Fans näher, welche ihn am liebsten über die Absperrung gezehrt hätten. Somit konnte, wer weit genug vorne stand, auch mal persönlich an ihn Hand anlegen. - Und was soll ich sagen, fühlt sich auch nur wie ein Mensch an.
Nachdem alle anderen der Band von der Bühne gingen bot er noch als ruhigen Ausklang ein neues Stück nur vom eigenen Gitarrenspiel untermalt an: the way you make me feel. Dann war dieses Konzert aber leider schon wieder vorbei und wir drängelten uns zu der üblichen Abbaumusik der Stage-Crew (also beginnend mit "always look on the bright side of life") in das wahre Leben zurück. (Vorbei an dem überteuerten Fanartikel-Stand, wo T-Shirts ab 35 Euro verkauft wurden. Kurios war, dass das gleiche Teil nach dem Konzert für 40 zu haben war. Manchmal geht das mit der Inflation eben doch schneller als man denkt ...)
FAZIT: 'It ain't a new world; it ain't a new start. It's our life is our beating of young hearts.'
Die Stimmung in der Halle war wie bei eigentlich jedem seiner Konzerte bombig, und alle sind mitgegangen. Wenn es mir auch so erschien, als ob dieses mal nicht so viele mitgesungen haben. Das Preis-Leistungsverhältnis war noch fast an der Grenze, denn für den Preis, hätte es ruhig etwas mehr als nur 118 Minuten Bryan sein können. Aber der Mann weiß halt, was er wert ist. Er musste sich nicht neu erfinden und es gab somit keine großen Überraschungen (obwohl mir das mit Maxi immer noch nicht so gefällt und ich nicht weiß, was ich davon halten soll). Auch nur noch 2 Stage-Runs und wenig Gesprochenes von ihm. War also alles in allem doch nur ein 'normales' Konzert und nicht so nachhaltig wie andere, die ich von ihm schon besuchte. Die Setlist war okay, wenn es auch nur eine Erweiterung (Verdopplung auf 24 Songs) vom Sommer war und eben zu wenige Lieder und keine echten Überraschungen. War halt eine Bestandsaufnahme, was ihm nach all den Jahren bleibt; also wirklich das umgesetzte "Here I Am"-Motto. Dennoch: Für 10-15 Euro weniger hätte es mir besser gefallen.
Line-Up der (leider nur) 24 Songs: #Hauptbühne#
here I am*
house arrest
18 'til I die
can't stop the things we started
back to you
summer of '69
it's only love
everything I do (I do it for you)
cuts like a knife
when you're gone
I'm ready (97er Version)
staight from the heart
heaven
somebody
the only thing that looks good on me is you #kleine Bühne#