| Ottawan
Das Disco-Pop-Duo der frühen 80er Ottawan eröffneten den Nachmittag beinahe pünklich um 18:07 Uhr mit dem bekannten d.i.s.c.o. Die beiden sangen (wohl wie gewohnt) zum Halbplayback, konnten aber dennoch die Zuschauer unterhalten und bei ihren 4 Songs animieren mitzumachen. Vor allem bei ihrem letzten, dem Song hands up wurde gut mit den großen gelben Händen gewunken, was ins Rund geschaut schon toll aussah. Ein toller Auftakt und stimmungsmäßig besser als erwartet machte es Lust auf mehr.
Obwohl die beiden ja nichts an Equipment auf der Bühne brauchten, gab es eine Umbaupause, die der Moderator erneut zu füllen hatte. Beim Aufzählen der Namen der Künstler gab es für mich eine kleine Überraschung, ob des Beifalls zu dem jeweiligen Act. Denn neben dem erwarteten großen Zuspruch zu Marianne Rosenberg und Chris Norman (laufen ja in der Heavy Rotation auf dem Sender) war auch Jimmy Somerville sehr laut beklatscht und überraschend stark MMEB. Da frag ich mich doch, warum die nie zu Konzerten gehen, wenn die denn einmal in Berlin sind, damit sie häufiger vorbei schauen.
Manfred Mann's Earth Band
Vollkommen unvorbereitet war dann auch schon mein Co-Headliner, die Earthband, als nächstes auf der Bühne. Somit hatte ich nicht allzu viel von Martha's madman, denn zu diesem drängelte ich mich erst einmal vom Rang vor die Bühne. Das gewohnt teuflische Lachen ging dennoch durch und durch. In Groß sah ich dann, dass die Band immer noch die gleiche Besetzung hat und gut aufgelegt war. Spätestens bei don't let it bring you down merkte man, dass es schon ewig her war, dass die Earthband in Berlin war. Denn die Songs waren zwar die gleichen, aber nicht deren Interpretation. Veränderte Solis und alles ein wenig schneller als damals führte zu einem ganz neuen Live-Erlebnis der bekannten Klassiker, welches man so schlecht in Worte fassen kann. Man sollte es einfach erleben. Somit gab es den seltenen Moment, sowohl mitsingen zu können, als auch neues zu erleben. Man kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus, zumal die Technik auch wunderbar funktionierte. Große Ansagen entfielen leider (wie schmerzlich beim demolition man gemerkt, denn Manfred Mann verzichtete auf sein gesprochenes Intro) aber das unbeschreibliche Earthbandlivegefühlerlebnis stellte sich dennoch ein: Davy's on the road again. Zum Mighty Quinn holte sich dann Noel McCalla noch einen Regenschirm, mit dem er dann in diversen Posen über die Bühne tollte. Ein kleines Schmankerl war dann das integrierte Snippet von smoke on the water, bei dem ich nicht einschätzen konnte, ob es jetzt die Überleitung wird, oder (so wie letztlich leider) 'nur' eines der zahlreichen Zwischensoli. Eine tolle Idee, die Szenenapplaus verdiente und bekam. - Ein rundum gelungener Auftritt und alleine schon den Eintritt wert gewesen. Diese Stunde ging viel zu schnell vorbei.
Chris Norman Band
Nach der obligatorischen Umbaupause gab sich die Chris Norman Band als nächstes die Ehre. Frontmann selbstverständlich der ewig gut gelaunte Chris Norman. Der Sieger der Comeback-Show, der aber davor eigentlich nie wirklich weg war, da er ständig neues Material veröffentlicht(e). Was er aber auf immer sein wird, ist der Ex-Sänger von Smokie. Da das aber nicht unbedingt ein schlechtes Erbe ist, legte er auch gleich mit diesen Klassikern los. I meet you at midnight, needles & pins und lay back in the arms of someone kamen gut an und erschallte lautstark von den Zuschauern, die sich dadurch als Fans "outeten". Als sich der künstliche Nebel dann endlich verzog sah man ihn auch dann sogar leibhaftig. Leider wurde erst nach diesen drei Songs das Technikproblem behoben. Anfänglich waren nämlich die Backgroundsängerinnen viel lauter zu hören als er und seine Gitarre funktionierte auch nicht immer. Aber da die Fans halt mitsingen konnten, war es nur halb so schlimm.
Stumblin' in, das alte Duett mit Suzi Quatro (die auch gut zu diesem Abend gepasst hätte), kannten auch viele, bevor es dann zur neuen Version von Alice ging. Mittlerweile scheint er sich in sein Schicksal ergeben zu haben, wenngleich er etwas verstimmt guckte, als die mittlerweile überfüllte Wuhlheide die Gompie-Version lautstark skandierte. Tiefpunkt waren dann aber nicht die z.T. eigenen, neuen Solo-Lieder, sondern das Cover von Peter Gabriels sledgehammer. Es gibt Dinge, die sollte man unterlassen ... und dieses Lied nachzusingen gehört eindeutig mit dazu. Kurz nach acht entließ er seine treuen Fans mit wild angels und in bester Stimmung.
Für die Fans wurden dann ein paar der Spieler vom amtierenden deutschen Meister EHC Eisbären aufgefahren, die dann lange mit ihrem Lied gefeiert worden sind. (Wat aba total beklobt is, wenn se vor eenem stehn.) Nach dieser gefühlt unendlich langen Zeit von realen 11 Minuten ging es zur Abwechslung mit einer Berlinerin weiter.
Marianne Rosenberg
Marianne Rosenberg war die nächste im Programm, die leider auch mit technischen Problemen zu kämpfen hatte. Ihr Mikro funktionierte erst gar nicht und dann war es die meiste Zeit über viel zu leise. Aus ihrem aktuellen Album sang sie für immer wie heute und dann gleich einen ihrer beiden Klassiker: Marleen. Ihre Fans waren wild wie immer bei ihren Konzerten, mich konnte sie aber an diesem Abend weder überzeugen noch als Fan gewinnen. Denn ihr weiteres Programm war eher ... gewöhnungsbedürftig. Zuallererst, auch neu, dennoch befremdend, die deutsche Version von dem Cher-Hit "strong enough". Dieser Song war ja schon im Original recht platt und die Übersetzung hat es meines Erachtens nach nicht wirklich rausgerissen. Alsbald gab es eine komische Rede und die unnötigste Cover-Version des Abends. Sie interpretierte das schöne Rio-Reiser-Stück für immer & dich was auch im Rund eher verhalten aufgenommen wurde. Der Knaller war aber ihre komische Weltschmerz-Rede (bei der das Mikro immer noch viel zu leise war - war aber bestimmt auch gut so) bei der sie sich einmal alles von der Seele geredet hat. Und dann verstand ich, dass sie mit Worten wie "ich kann es zwar nicht mehr hören, aber da ihr es hören wollt, singe ich es jetzt mal wieder": er gehört zu mir ankündigte. Was für ein Auftritt. Tja, selbst die eine der Background-Sängerinnen (San Glaser) konnte da nix mehr rausreißen.
Erneut eine Umbaupause, die - mittlerweile wie gewohnt - mit typischsten Liedern gefüllt war. Also gab es "que sera" und "country roads". Aber um das (Party)Niveau zu halten, natürlich nicht in den aussagekräftigen Originalversionen, sondern in der Gute-Laune-und-Refrain-ist-alles-Bearbeitungen von der Hermes House Band. Es ging wohl heute nur um den Spaß.
Jimmy Somerville
Langsam zog sich der Abend, aber um 21:13 Uhr vertrieb dann Jimmy Somerville jedweden Blues. Obwohl er auch nur zum Band sang, war seine Stimme und Stimmung einzigartig. Beginnend mit einem tollen a capella Intro legte er gleich mit dem Pausensnackwerbesong los und alle machten mit bei you make me feel (mighty real). Dass er nach all den Jahren ähnlich wie Morton Harket von A-ha immer noch seine markante Falsettstimme hat und von jetzt auf gleich aktivieren kann ist großartig. Beim nächsten Song musste die Musik noch einmal gestartet werden, aber von Band ist das ja auch nicht weiter schwierig. Er hüfte umher wie eine Jojo und es war einfach toll zu sehen, wie viel Spaß er hatte und davon ließ man sich gern anstecken.
Er versuchte sich sogar auf deutsch und versprach jetzt etwas "Romantik". Er sang das durch Michael Bolton bekannt gewordene to love somebody in einer super Reggae-Version. Auf seine Frage "alles klar?" konnte man einfach nur "ja" antworten. Sein Finale war dann die auch von ihm bekannte Nummer don't leave me this way. - Wow, was dieser Mann an Energie mit auf die Bühne bringt ist unglaublich. Er stand wohl nicht eine Sekunde lang still, was sich sogar auf das Publikum übertrug.
Status Quo
Mittlerweile war es richtig Dunkel geworden und nun war es endlich Zeit für Parfitt, Rossi & Co. Man sagt ihnen ja nach, dass ihre Songs alle sehr einfach und sehr gleich sind, aber wer sich damit über 30 Jahren an der Spitze halten kann, hat wohl noch mehr als das zu bieten. Und so war es dann auch. Denn dafür, dass sie zusammen schon fast 300 Jahre alt sind, rockten sie in einem Tempo durch ihr Programm, dass dem Zuschauer kaum Zeit zum durchatmen blieb. Neue Song und altes Material wurde so gut zusammengesetzt, dass bestimmt nur die besten Fans diese Stück auseinanderhalten konnten. Auch spielten sie nicht jedes Stück um sich dann den Applaus zu holen (der ihnen zweifelsohne gespendet worden wäre), nein, es gab ein Gitarrenoutro - fähige Leute gibt es ja genug auf der Bühne - um dann gleich in den nächsten Song zu starten. Sie spielten alle großen Hits wie z.B. down down, roll over lay down, whatever you want und natürlich auch rockin' all over the world. Ich kam mit dem Merken der Titel einfach nicht hinterher.
Auch ihre Bühnenshow war ausgefeilt bis ins Letzte. Sie wussten immer die Positionen der anderen, wenn es einmal zu einem Solo-Duell der Gitarren kam und konnte sogar in Kolonne über die Bühne marschieren. Die Lichtshow stimmte auch und die optimal funktionierende Technik trug ihr übriges dazu bei, dass man ausgelassen mitmachen konnte. Zu meiner Überraschung spielten sie sogar eine komplette Show, mit Zugaben, die mindestens 90 Minuten ging. Wahnsinn. Zwischendurch gab es auch Ansagen von Francis Rossi ans Publikum, aber zum einen sprach er so schnell, wie sie Hits abfeuerte und zum anderen ist das so ein übler Slang, dass ich glücklich war überhaupt ein paar Fetzen verstanden zu haben.
Ich hatte gehofft ihre Version von when I'm dead and gone zu hören, aber die war leider nicht auf der Setlist, so dass die Version von Fury in the Slaughterhouse bisher mein einziges Liveerlebnis dieses tollen Songs ist.
Da es das erste Mal war, dass ich Status Quo live erlebt habe gab es auch ein Überraschung für mich. Ich weiß zwar jetzt nicht mehr um den Song, aber Rossi & Parfitt, holten sich jeweils Verstärkung, um gegen den anderen zu spielen. Somit musste nicht nur John Edwards zeigen, was er drauf hat, sondern auch der als Keyboarder fungierende Andrew Bown musste sich mal wieder die Gitarre umschnallen. Allein Jeff Rich blieb an den Drums, um den Beat zu halten. Die Krönung war, als man dann gegenseitig die Instrumente spielte, d.h. einer griff die Saiten an der eigenen Gitarre und schlug unterdessen beim anderen diese an. War schon sehr beeindruckend, als sie in dieser Verschlungenheit auch noch über die Bühne flanierten. Eindeutig die beste Show des Abends.
Fazit: Ein überaus gelungener Nachmittag und Abend. Das Wetter hätte zwar etwas besser sein können, aber da es dann wenigstens bei den Konzerten nicht regnete, will ich mal nicht meckern. Die Umbaupausen gingen von der Länge her und die Künstler waren zumeist gut aufgelegt. Dass nicht alle gleichgut sind liegt ja in der Natur der Sache. Da mich meine beiden Headliner nicht enttäuschten war es eine tolle Zeit und die Veranstaltung war ein voller Erfolg.
(Texte & Bilder: l.j. - www.el-jay.de)
|
die Setlisten
Ottawan
01. d.i.s.c.o.
02. crazy mucic
03. shalala-song
04. hands up
Manfred Mannn's Earthband
01. Martha's madman
02. don't let it bring you down (aka. castles burning)
03. blinded by the light
04. demolition man
05. Davy's on the road again
06. mighty Quinn / smoke on the water / mighty Quinn
Chris Norman Band
01. I meet you at midnight
02. needles & pins
03. lay back in the arms of someone
04. stumblin' in
05. living next door to Alice
06. ?
07. sledgehammer
08. in the midnight hour
09. wild angels
Marianne Rosenberg
01. für immer wie heute
02. Marleen
03. Liebe kann so weh tun
04. ich denk an dich
05. stark genug (strong enough)
06. ich bin wie du
07. für immer & dich
08. er gehört zu mir
Jimmy Somerville
01. you make me feel (mighty real)
02. why
05. to love somebody [reggae-version]
06. don't leave me this way
Status Quo
down down * roll over lay down * whatever you want * rockin' all over the world * u.v.m. | |