Manfred Mann's Earth Band

07.05.2000 // Columbia Fritz, Berlin // Earth Band Tour

Künstler-Bio     weitere Auftritte: 2006 [BR-OA]   2007

Seit fast 30 Jahren im Geschäft und leider nur noch ein Geheimtipp. Wie sollte man es sich sonst erklären, dass das Konzert an einem Sonntag und im relativ kleinen Columbia Fritz stattfand. Nichts desto trotz hatte dieses 'geheime' Club-Konzert - denn außer ein paar kleinen Plakaten gab es keine Werbung dafür wie es z. B. im Videotext diverser Fernsehsender oder einschlägiger Hefte üblich ist - alle Besucher restlos und überwältigend beeindruckt. Es fanden sich also nur ca. 500 über die Jahre treue Fans ein, um ihre Idole noch einmal live zu erleben. Zumal mit Noel McCalla noch kein eigenes Album als Leadsänger von MMEB erschienen ist. Beim '98er Mann-alive Doppellivelongplayer sang er 'nur' einiges mit.
Da es außerdem seit '96 keine neuen Studio-Songs gibt und das letzte Konzert hier in Berlin schon einige Zeit zurück liegt, war das Durchschnittsalter der Fans auch dementsprechend auch so um die 40 angesiedelt; das tat der Stimmung aber keinen Abbruch - ganz im Gegenteil sogar. Es baute sich in relativ kurzer Zeit eine richtig tolle Atmosphäre auf, die dem Ganzen ein gewisses Flair gab, was nahezu unbeschreiblich ist.

MMEB

Mick Rogers startete 20:20 Uhr mit einem Gitarrensolo und als mit Noel McCalla das aktuelle Quintett komplett auf der Bühne versammelt war, begann die Show mit shelter from the storm und nothing ever happens (beide vom '96er soft vengeance). Nach der Begrüßung der Fans und zwei weiteren Songs (unter anderem eine tolle Version von Neil Young's don't let it bring you down) folgten die ersten Klassiker. Martha's Madman (watch, '78), welches auf der offiziellen Homepage von MMEB zum Fan-Favorit gewählt wurde, und don't kill it Carol (angel station,'79) wurden in herrlichen Versionen dargeboten, bei denen die Fans sofort mitmachten.

Während sich die Band die erste Auszeit nahm, folgte überraschender Weise von Noel McCalla eine wunderbare akustische Version vom ABBA-Klassiker S.O.S. Spätestens mit dieser Nummer fielen einem zwei Dinge auf. Zum einen, dass Noel McCalla eine Superstimme hat und zum anderen, dass alle bisher dargebotenen Stücke langsamer als die bekannte MMEB-Version gespielt wurden und somit noch nicht die Party-Stimmung aufkam, die die Songs eigentlich schon geboten hätten. Das sollte sich dann aber im Laufe des Abends ändern und das Tempo wurde angezogen.
Denn nun war es wieder an Mick Rogers mit seinem wunderbaren Gitarrenspiel die Fans außer Atem zu bringen, was ihn auch gelang. Voller Leidenschaft spielte er ein mehrminütiges Solo, was ihm die letzte Kraft zu rauben schien, da er sich verausgaben wollte. Aber er bewies, dass er immer noch fit ist, so dass er, nachdem er sich den tosenden Applaus vom Publikum abgeholt hatte, welchen er aber am liebsten einfach wegwischen wollte, sogar noch selber sang. Wie in der guten alten Zeit. Er hauchte einem der ganz alten Lieder, dem '74er Dylan-Song father of day, father of night erneut Leben ein. Nach diesen ca. 15 Minuten bereitete Manfred Mann dann persönlich die Fans in recht gutem deutsch auf den Demolition Man vor.

Dann kam der Super-Smash-Hit von ihnen schlechthin. Zwar auch 'nur' eine Coverversion von den zahlreichen, die es im Laufe der Jahre von Bruce Springsteen Songs geworden sind, aber das war nicht weiter schlimm. Ganz im Gegenteil ist die MMEB-Version ja eindeutig viel besser. Obwohl das Intro dafür geändert wurde, war dennoch zu erahnen, was nun kommen wird. Und die Fans waren dann nicht mehr zu halten, als sie "von Licht geblendet wurden". Blinded by the light konnte nun wirklich jeder mitsingen (selbst die, die nicht das '76er Album the roaring silence im Regal haben, da bis heute schon unzählige Live-Mitschnitte dieses Songs von diversen Gigs bekannt wurden), so dass der Refrain für die Fans blieb, während die Band durch die Verse flog. Ein schöner Schluss der Hauptshow wie ich finde.

Da es aber erst 21:42 Uhr war, wollten die Fans noch etwas geboten bekommen und die Band ließ sich dann auch nicht lange bitten und spielte noch einmal für den redemption song auf (wie der 'Demolition Man', so war auch dieser auf dem '82er Album somewhere in Africa als Studiotrack enthalten). Noel bedankte sich dann für die herzliche Unterstützung und erwähnte, dass die 9 Jahre seit der letzten Tournee durch Deutschland viel zu lange her sind (das Publikum schloss sich dieser Meinung an) und es damals - hier in Berlin - sein erster Live-Auftritt mit MMEB war.
Frenetischer Jubel brach dann aus, als der Frontdruck des Tournee-T-Shirts auf Davy zutraf, denn nach dem ersten Takt erkannte jeder: Davy's on the road again. Und wie. Das Highlight der Show meiner Meinung nach.

Nach einem erneuten kurzen Break gab es letzte Zugabe, die leider nur aus einem Song bestand, der es aber wiederum in sich hatte. Denn was hatte bis jetzt noch gefehlt? Genau, der Mighty Quinn ließ alle Beteiligten noch einmal zur Bestform auflaufen und bot einen denkwürdigen Schluss für diese herrliche Veranstaltung.

Fazit: ... when MMEB get's here, everybody's gonna jump for joy ...'
Unglaublich, was eine Band doch aus Songs herausholen kann, die andere entweder nicht zu (Chart-)Erfolg führen konnten oder die die Earthband so interpretierte, dass nur Titel und Text, aber nicht die Stimmung mit dem Original übereinstimmen. Normalerweise ist es zwar nicht meine Art und Weise so etwas gut zu heißen, aber es gibt eben eine rühmliche Ausnahme: Manfred Mann's Earth Band. Selbst die ABBA-Coverversion hatte ihren eigenen Charme, obwohl Bob Marley's 'redemption song', Sting's 'demolition man' oder Bob Dylan's 'Mighty Quinn' immer die Fan-Favorits bleiben werden. Einziges "Manko" war, dass leider nur so wenige Songs gespielt wurden. Von 20:20-22:08 Uhr (also knapp 110 Minuten) lediglich 14 Songs. Jedoch ist es nur dadurch möglich die Virtuosen an den Instrumenten (vor allem Mick Rogers an der Gitarre) zu erleben, was alles wieder aufgewogen hat. Denn wie z.B. bei den Hooters ist es auch MMEB möglich, durch lange Gitarrensoli und Instrumentalstücke die Fans zu beeindrucken. Dennoch hätten sie noch Songs wie z.B. 'California', 'for you' und 'questions', darbieten können, aber so war's auch okay.
Kurzum: Eine tollt Show, so dass ich mich der Aussage eines Fans anschließen kann: "Sie gibt es wirklich !!" Denn welche Band ist nach 30 Jahren immer noch so gut, ohne (zu) kommerziell zu sein? - Keine andere.

Text + Bild: l.j. - www.el-jay.de

## Besetzung ##
Noel McCall - vocals
Mick Rogers - guitars, vocals
Steve Kinch - bass, backing vocals
John Trotter - drums
Manfred Mann - keyboards, backing vocals

## Setlist ##
01. shelter from the storm
02. nothing ever happens
03. don't let it bring you down (aka. castles burning)
04. ???
05. Martha's madman
06. don't kill it Carol
07. angels at my gate
08. S.O.S. [a capella]
09. father of day, father of night [long version]
10. demolition man
11. blinded by the light [extended version]

Zugabe #1
12. redemption song
13. Davy's on the road again

Zugabe #2
14. mighty Quinn

 

Weitere Infos über die Earthband gibt es z. B. auf deren Homepage unter www.manfredmann.co.uk .