Briefe erstellen in Latex


Einleitung:

Diese Arbeit ist eine Online-Ausarbeitung des Vortrages "Brieferstellung mit Latex" aus dem Sommersemester 2004 des Proseminars "Wissenschaftlich Publizieren mit Latex" bei Herrn Piefel.

Einleitung letter - Umgebung g-brief - Umgebung scrlttr2

Die letter – Umgebung ist bedingt durch ihre Einfachheit sehr gut geeignet, um fundamentale Dinge zum Aufbau eines Briedes zu erläutern. Sie gilt als die Standardumgebung für die Erstellung von Briefen in Latex. Innerhalb des Briefes können die meisten Latex-Befehle verwendet werden. Einige Befehle, wie zum Beispiel, einen Brief in Kapitel aufzuteilen oder andere Gliederungsbefehle fehlen. Der Grund des Fehlens basiert darauf, dass die Verwendung entweder, keinen rechten Sinn im Brief ergeben würden oder bestimmte Befehle für die Benutzung von vornherein erst gar nicht definiert wurden. Im Gegensatz dazu ist diese Umgebung jedoch mit einigen zusätzlichen Befehlen ausgestattet, die im speziellen der Briefgestaltung dienen. Zum Aufbau eines Brieffiles sei folgendes zu erwähnen. Ein in der letter-Umgebung geschriebener Brieffile beginnt grundsätzlich mit \documentclass [options]{letter} und endet mit dem Befehl \end{dokument}.

Im folgenden werden wichtige Befehle erläutert:

\address{absenderanschrift} Absenderanschrift des Briefes

\signature{absendername} Absendernahme im Brief

Sieht man von einer weiteren Verwendung von Befehlen im Vorspann ab, so beginnt der Textteilmit dem Befehl:

\begin{document}

Innerhalb des Textteils ist eine letter-Umgebung einzurichten, die folgender Syntax entspricht:

\begin{letter}{ empfänger } Brieftext \end {letter}

\opening{anrede} Anrede in Brief

\closing erscheint am Ende und beinhaltet die Grußformel.

Nach dem \closing Befehl können folgende Befehle ergänzt werden:

\encl{ anlage1 \\ anlage2 \\ …} Brief mit Anlagenliste

\cc{name1 \\ name2 \\ …} Einbindung einer Verteilerliste

\ps{text} Einfügen eines Post Scriptum

Der Brief endet mit dem \end{letter} Befehl.

  \documentclass {letter}
    \usepackage{ngerman}
       \address{Max Mustermann \\ Musterstr. 1 \\
                12345 Musterhausen}
       \signature{Max Mustermann}
 \begin{document}
   \begin{letter}{Gesundheitsamt Musterhausen \\
                      Poststra"se 2 \\
                      12345 Musterhausen}
       \opening{Betr.: Beschwerde}
       Sehr geehrte Damen und Herren,
       am letzten Wochenende besuchte ich mit meiner
       Familie das Restaurant ''Zur gr"unen
       Schnecke'' in Musterhausen.... ...
       \closing{Mit freundlichen Gr"u"sen}
       \encl{Rechnung}
   \end{letter}
\end{document}
   
   

Die Anrede enthält Einträge wie: Sehr geehrte Frau, Sehr geehrter Herr. Statt der Anrede kann jedoch auch eine „Betreff“ Eintragung formuliert werden. In diesem Fall wird die eigentliche Anrede zum Teil des anschließenden Textes. Latex ordnet die Absenderadresse im Brief oben rechts an. Danach folgt automatisch rechtsbündig das aktuelle Datum. Linksbündig folgt mit etwas Abstand der Empfänger mit Name und Anschrift. Dann der Brief mit gewählter Anrede und dem eigentlichen Brieftext. Der Brief endet danach rechtsbündig mit einer eingerückten Grußformel. Auf diese folgt mit ausreichendem Abstand für die Unterschrift der Absendername aus dem \signature Befehl.

Wie man am Beispiel der letter-Umgebung sehen, eignet sie sich nicht für die Erstellung von Briefen nach der deutschen DIN-Norm. Eine Umgebung die diese jedoch berücksichtige ist die g-brief – Umgebung.   

Der Aufbau einer g-brief Umgebung gliedert sich in drei Abschnitte:

1. Angaben des Absenders:

 

\documentclass[12pt, german]{g-brief}

\usepackage[latin1]{inputec}

\fenstermarken

\trennlinien

 

\Name                {Hans Mustermann}

\Strasse             {Hauptweg 12a}

\Ort                 {D-182662 Schwanebeck}

\Telefon             {0123/456-7}

\Telefax             {0123/456-8}

\HTTP                {http://www.mustermann.com}

\EMail               {hans@mustermann.com}

\Bank                {Bankhaus Taff}

\BLZ                 {20030350}

\Konto               {1832938888}

\Unterschrift        {Hans Mustermann}

2. Spezielle Angaben des Briefes

 

\Postvermerk         {}

\Adresse             {Linux Magazin\\

                       Stefan-George-Ring 23\\

                       81929 München

                     }

\Betreff             {Artikel zu Linux}

\Datum               {\today}

\Anrede              {Sehr geehrter Herr Schwaller,}

\Gruss               {Mit freundlichen Grüßen}{1cm}

3. Brieftext

  \begin{document}

\begin{g-brief}

ich möchte gerne einen Artikel über die Nutzung von Linux in Schwanebeck schreiben. Hätten Sie Interesse?

\end{document}

 

   

Wie man sehen kann, bietet diese Umgebung die Möglichkeit mehr Informationen über den Absender bereit zustellen. Außerdem stehen dem Benutzer Trennlinien (\trennlinie) und Fenstermarken (\fenstermarken) zur Verfügung. Mit dem Befehl (\today) ist es möglich das aktuelle Datum in das Formular mit einzubetten. Der Befehl \Unterschrift entspricht dem \signature Befehl aus der letter-Klasse.                                                         

                                                         

Die scrlttr2-Umgebung ist seit Juni 2002 Bestandteil des KOMA-Scripts und ersetzt dort die Vorgängerumgebung scrlettr. Die Besonderheit an dieser Umgebung, mit dessen Hilfe ich Briefe nach DIN 676 verfassen kann, ist neue Bedienkonzept, bei der die Inhalts- und Layoutanpassung durch Setzen von Variablen und Optionen erfolgt.

 

\documentclass[DIN, pagenumber=false, parskip=half,% 

               fromalign=left, fromphone=true,%  

               fromemail=true, fromurl=true, %

               fromlogo=true, fromrule=false]{scrlttr2}

 

\usepackage[latin1]{inputenc}

\usepackage{german}

\RequirePackage{graphicx}

 

\setkomavar{fromname}{Rechtsanwalt \\ Hans Meyer }

\setkomavar{fromaddress}{Schlossallee 1 \\ 23422 Bremen}

\setkomavar{fromphone}{0123/99192992}

\setkomavar{fromemail}{mustermann@muster.de}

\setkomavar{fromurl}{www.muster.de}

\setkomavar{signature}{Hans Meyer}

\setkomavar{fromlogo}{\includegraphics*[width=2cm]{logo}}

 

\begin{document}

 

\begin{letter}{Herr \\ Jochen Schmidt \\

               Lindenallee.13 \\ 40932 Löhme

              }

\opening{Sehr geehrter Herr Schmidt,}

hiermit muss ich Ihnen bekanntgeben, .........

\closing{Mit freundlichem Gruss}

\end{letter}

 

\end{document}

 

   

 

Optionen werden entweder angegeben mit: \documentclass[options]{scrlttr2}

oder können durch: \KOMAoptions[options] überschrieben werden.

Zu den Optionen gehören zum Beispiel:

        fromalign = left (right, center) -  Absenderfeld wird rechtsbündig (linksbündig, zentriert) gesetzt.

        fromrule = afteraddress, false, aftername -  ein Linie wird nach (nicht, nach dem            

                                                                                                                                        Absendernamen) der Adresse gesetzt.

 

        backaddress = true (false) - Setzen einer Rücksendeadresse für Fensterumschläge

        fromphone   = true         - Setzen der Telefonnummer des Absenders

        fromemail   = true                        - Setzen der eMail-Adresse des Absenders

        fromurl     = true                        - Setzen einer Homepageadresse des Absenders

        fromlogo    = true                        - Absenderlogo (Firmenlogo) wird in den Brief eingefügt

 

Die Einbindung der ausgewählten Variablen erfolgt durch:  \setkomavar{.....}{Inhalt}

Der eigentliche Brieftext steht in der letter-Umgebung zwischen \begin{letter} und \end{letter}.

 

Serienbriefe in der scrlttr2 - Umgebung

Mit der scrlttr2-Umgebung ist es möglich Serienbriefe zu erstellen. Damit man seinen Datenbestand in ein Brief aufnehmen kann stellt Latex bzw. diese Umgebung auch eine Einbindung von Adressdatenbanken zur Verfügung. Diese Datenbank mit der Endung .adr wird im gleichen Verzeichnis in dem sich auch das Briefdokument befindet abgespeichert. Ein Datensatz hat die Form:

                \adrentry{Name}{Vorname}{Adresse}{Telefon}{F3}{F4}{Kürzel}

Anwendungsbeispiel:  Sie wollen einen Serienbrief an alle Mitglieder Ihres Rudervereins schicken, um die    

                                    zum 01.01.2004 fälligen Mitgliedsbeiträge einzufordern. Frauen zahlen 340€ in Jahr,

                                    Männer hingegen 450€.

Dann könnte so Ihre Adressdatenbank aussehen:

  
adrentry{Meyer}{Horst}{Zeisigweg 12\\12002 Berlin}{m}
{}{}{Steuermann}{MEYER}
\adrentry{Schmidt}{Volker}{Drosselweg 2\\12005 Berlin}{m}
{}{}{Ruderer}{SCHMIDT}
\adrentry{Müller}{Thomas}{Wachtelweg 64\\12001 Berlin}{m}
{}{}{Ruderer}{MUELLER}
\adrentry{Bloch}{Monika}{Starweg 54\\12012 Berlin}{w}
{}{}{Steuerfrau}{BLOCH}
\adrentry{Wolter}{Sybille}{Finkenweg 98a\\12001 Berlin}{w}
{}{}{Ruderin}{WOLTER}
\adrentry{Böhme}{Lina}{Grünspechtweg 32\\12022 Berlin}{w}
{}{}{Ruderin}{BOEHME}

und die Einbindung in die letter-Umgebung wie folgt erfolgen:

 
\begin{document}
 
\def\adrentry#1#2#3#4#5#6#7#8
{
  \begin{letter}{\if #4m{Herr} \fi \if #4w{Frau} \fi \\ #2 #1 \\ #3}
\if #4m \opening{Lieber #2,} \fi
\if #4w \opening{Liebe #2,} \fi
 
nach Beschluss der letzten Vereinssitzung vom 23.02.2004, bitten wir Sie
ihren Mitgliedsbeitrag in Höhe von  \if #4m {\EUR{450}} \fi \if #4w {\EUR{340}} \fi
auf das unten aufgeführte Vereinskonto, bis spätestens zum 31.07.2004 einzuzahlen.
 
\vspace{1cm}
         \closing{Mit freundlichen Grüßen}
   \end{letter}
}
\input{mitglieder.adr}
\end{document}

 

 

  

Der Adressfile wird am Ende mit \input{Filename.adr} in das Briefdokument eingebunden.

Mit def\adrentry werden dir Nummern mit der der entsprechende Eintrag aus der Adressdatenbank aufgerufen werden kann bestimmt.

Mit in die letter-Umgebung sind \if-Anweisung \fi eingebettet, mit denen es möglich ist die Anrede individuell zu gestalten.

Bsp.: Wenn der Inhalt von Feld 4 (#4) = m ist so schreibe Herr, ist #4=w so schreibe Frau.   

 

                 


25.06.2004, @Sebastian Jänisch