Aktuelles:
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Auch ohne Verfassung, die in manchem an der Realität und den Menschen
vorbei ging. Für ein Europa ohne Kleinstaaterei! Dem Linken zu
neoliberal, dem Liberalen zu sozialistisch und der Rechte fürchtet um den
Nationalstaat - was soll da noch von Europa bleiben?
Einiges, wie I-41 Absatz 3 war schlicht unannehmbar, aber anderes durchaus eines Beifalls wert. Konstruktive Kritik statt JA oder NEIN, aber da versagt nicht nur die deutsche Politik. Und wer sich auf die christliche Religion als Grundpfeiler Europas berufen möchte, der möge doch bitte auch die griechische Philosophie würdigen, liegt ihr Anteil doch weitaus höher. Nur ausgrenzen kann man Menschen damit nicht so einfach. Wer ist überhaupt darauf verfallen, Philosophie und menschliches Dasein zu trennen? | ||||||||

kleine gro�e Kinder...
Cognitive Science |
Was entsteht, wenn sich ein Informatiker entschließt, Psychologie zu studieren? Einfache Antwort: ein vollkommen Verrückter!
Und weder Informatik, noch Psychologie genügen, um das Gebiet der
Kognitionswissenschaften auch nur in Ansätzen zu umreißen!
Cognitive sciences, wie sie so schön genannt werden, sind ein weitläufiges,
interdisziplinäres Studium (und sicherlich in meinen Augen, dass zur Zeit spannendste).
Neben den bereits genannten Gebieten Informatik (im Besonderen sei die künstliche
Intelligenz erwähnt) und Psychologie spielen auch Philosophie, Neurowissenschaften, Linguistik
und andere eine Rolle. Im Großen und Ganzen ist es die Wissenschaft vom
(menschlichen) Geist, besonders verhaftet dem Denken, Lernen, Wahrnehmung, der Entstehung von Wissen und dem
Umgang mit Information. (Ich bestehe auf den Begriff Informatik, computer
science verliert zu vieles [vor allem mich ;-)]). Und so differenziert sollte man
den Begriff Informatik auch überstezen, dass information science nicht
unter den Tisch fällt. Daneben liege ich also nicht, auch wenn ich den Computer eher
als Werkzeug denn als Kultobjekt ansehe, aber was kultivieren wir dann?
Die Ursprünge, abseits der Philosophie, liegen in den 50er Jahren des vergangenen
Jahrhunderts, als die Erforschung der Blackbox Gehirn in das Interesse der Wissenschaft
rückte.
Nachdem jahrzehntelang allein bewusste Denkprozesse und Problemlösestrategien
Untersuchungsgegenstand waren, rücken in den letzten Jahren immer mehr die
"Hintergrundprozesse", das Unterbewusstsein in den Forschungsmittelpunkt.
Interessant daran ist vor allem der Abschied von der Linearität des Denkens. Allein
die Sicht des Bewusstseins als Resultat und nicht als Ursache öffnet den Blick
hinter die Kulissen. Vielleicht, weil gerade das Bewusstsein uns von den Tieren zu
unterscheiden vermag, (warum besteht Mensch immer darauf?) haben wir uns lange Zeit der
Tatsache verweigert, dass hinter dem vermeintlichen Solisten ein ganzer Chor am werkeln
ist. Denn wer kennt nicht das berüchtigte
»Es liegt mir auf der Zunge...«
-
von der bewussten Seite her scheint der Geist so leer, wir finden es nicht, obwohl wir
genau wissen, was wir suchen. Und eine halbe Ewigkeit später schickt der Herr uns
die Erleuchtung. Es ist eine interessante Frage, wie viel kognitive Kapazität wir
verschenken, indem wir so der Vergangenheit hinterher jagen.
Grotesk erscheint auch die Vorstellung unbewusster Denkprozesse, suggeriert dieser
Terminus doch ein wenig, dass das, was wir Bewusstsein nennen, auch von selbem gesteuert wird - ein
kognitives perpetuum mobile.
Aber geben wir auch eines umumwumden zu: Wir stehen nicht viel besser da, als jener Mediziner, der als erster den Körper eines Menschen öffnete. Wir sehen und messen die Wirkungen, erahnen bestenfalls Zusammenhänge, doch die dahinter liegenden Ursachen sind uns (noch) verborgen. Das Schöne daran jedoch ist: Es gibt noch viel Neues zu entdecken...
Das verrückt in Bezug auf meine Person ist übrigens beim Wort zu nehmen, im Sinne von daneben stehend. Von jedem etwas und doch nirgendwo zu Hause. Die Informatik legt sicherlich den Schwerpunkt, aber jede andere Disziplin steuert einen doch unentbehrlichen Teil hinzu.
Und ob die Kognitionswissenschaften nun Watsons Rache an der Kybernetik seien - wie es Dietrich Dörner so schön ausdrückte? Den Behaviourismus haben wir hinter uns gelassen - so glauben wir, wollen es zumindest glauben. Und der Glaube vernebelte schon immer die Sicht auf die Welt - ein Sicht, die objektiv nie sein kann.
Eine kurze Einführung in das Ganze (ohne einen Anspruch auf Allumfassenheit zu erheben!) gibt die Stanford Encyclopedia of Philosophy.
Cognitive Science und Humboldt - eher Widerspruch denn Liebesbeziehung. Die Fachrichtung als solche existiert offiziell nicht, und der eigentlich unangenehme Teil ist, dass von der Philosophie, über die Psychologie bis hin zur Künstlichen Intelligenz die Kürzungswut genau jene "unnützen" Fachrichtungen ihrer Daseinsberechtigung beraubt. In einem Land, in dem die Dummheit regiert, sollte man wohl auch von niemandem erwarten, das Denken zu befördern. Aus Information Wissen zu generieren und daraus neues Wissen zu schöpfen, es hätte durchaus von Interesse sein können. Die Zukunft spielt wieder einmal woanders. Für die Kunst mag es schwer geworden sein, Mäzene zu finden, der Kunst des Denkens ist die Lobby abhanden gekommen. Man glaubt den einzig wahren Weg gefunden zu haben, in der vermeintlich höchsten Stufe kognitiver und gesellschaftlicher Entwicklung. Allein dieser Tatbestand offenbart bereits den niederen Anspruch, der in diesem Land im Denken herrscht.
Und eingeschlafen ist es bei manchem Leser Marx'scher Werke, den Lesern manch religiöser Schriften und vielen anderen Zeitgenossen. Und spätestens die Universität sollte an diesem Zustand etwas verändern. Ist es doch natürlich, dass die Antwort auf eine Frage sogleich ein Dutzend neuer Fragen aufwirft. Bei Büchern liegt der Fall ebenso, ein einziges gutes zieht viele ebensolche nach sich. Und nicht nur in diesen Fällen gilt der Grundsatz: Der Weg ist das Ziel. Und vor allem dem homo oeconomicus sollte man das Denken erst einmal vorsichtig nahebringen. Und nicht nur hier zählt der Grundsatz: Vielfalt statt Einfalt.
Privates und allzu Menschliches |
![]() Wir alten Europäer haben einen Vogel! | |
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Nun kann man Studium und Privates schwerlich trennen, folglich wird man auch den Privatmann Henrik Stamm als etwas verrückt beurteilen. Oder eben doch als neben den Dingen stehend. Wobei die Position des Beobachters mitunter neue Perspektiven eröffnet. Man sehe selbst: | ||
Am Anfang war das Wort, so Goethes Faust. Jedes Wort ist eine Tat, schrieb Antoine des
Saint-Exupéry. Aus vielen Worten erwachsen Gespräche. Und genau jene hohe
Form des menschlichen Umganges sei die größte Zärtlichkeit, die wir Menschen
kennen. So jedenfalls Prof. Heinrich Fink
- seines Zeichens Ex-Rektor dieser Universität. Und er bestärkt mich immer
wieder darin, zu denken, dass gerade die Ausübung öffentlicher Ämter ein
hohes Maß an Menschlichkeit erfordert, denn egal wo, der Mensch sollte im
Mittelpunkt stehen! Was, wenn dem nicht so ist? Kein Gespräch - zu
schweigen sei die schärfste Form der Kritik, so sagt man hierzulande. Kann man so
pauschal urteilen? Pauschale Urteile liegen immer weit entfernt von der Wahrheit, eignen
sich aber vortrefflich, um möglichst wenig oder eben alles zu sagen.
Eines bleibt zu sagen, allein die Kommunikation bietet Raum für
Lösungen und zur Beseitigung von Missverständnissen. Denn Kritik sollte auch
immer ermöglichen, neue Wege zu gehen, Türen zu öffnen, anstatt sie zu
schließen.
© (1998)2000-2006 HSt - Kaikki oikeudet pidätetään |
last changed at 20:34, May 18, 2007 by
Henrik Stamm, hstamm(aet)informatik.hu-berlin.de |