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2005-02-22
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Tektronix (Job Kurzbeschreibung)
(Schritte)
- Die Einstellung erfolgte letztlich weil ich als Teenager mir
ein eigenes Forth-system geschrieben hatte, auf den damaligen Rechnern
der 1980er.
- Das Praktikum war dann ein Forth-basierter Debugger für die
Messgeräte der Firma. Und bildete den Anfang einer sehr selbständigen
Arbeitsweise, wie die eines fertigen Ingenieurs.
- Als Werkstudent übernahm ich viele Projekte, oft (aber nicht
immer) Forth-basiert, etwa der SDL(Z.100) Compiler. Die Firma wuchs
stark und es blieb kaum Zeit, überhaupt noch zu studieren.
- Zum Mitarbeiter wurde ich faktisch, da laut Kettenregel nach
drei befristeten Arbeitsverträgen eine Festanstellung folgt. Ich
begleitete nun den Übergang auf einen neue Testerplatform, und
errichtete das neue Forth-System.
- Um Diplomand zu sein, musste ich mich wieder stärker
herausziehen, was jedoch erst bei der Marktschwäche des Telekomsektors
Anfang 2000er möglich war. Über Kurse der Universität suchte ich mir
nun ein zweites Standbein in der Bioinformatik aufzubauen.
- Die Endzeit war leider überschnell. Obwohl von mir und der
Fachabteilung gewünscht, kam eine Übernahme aufgrund mangelnder
Finanzfreigaben nicht zustande.
(Projekte)
- Debugger / Tracer für M68000 TM-Forth des K1197
- Probus SDL Compiler für TM-Forth des K1197
- Portable Forth Environment PFE des K1297
- TM-Forth für PFE des K1297
- MSC Compiler für MSC/HMSC Editor des K1297
- Anpassung des OmniOrb 4.0 für VxWorks 5.1
- Anpassung des UPD-Compilers für PFE auf Win32
- Weitere Hilfsarbeiten (PFE,XML,SWIG,Testing)
(Verlauf)
- Einstellung
Die Einstellung war durchaus kurios, ich hatte einen Eintrag von
"Siemens Kommunikationsmesstechnik" auf dem elektronischen schwarzen
Brett der Informatik Humboldt-Universität gesehen, wo für studentische
(Sommer-)Jobs geworben wurde. Da ich zu der Zeit eh in die
Telekommunikation wollte (ich hatte ja im Jahr vorher einen Forschungsjob
in dem Bereich), fand ich das eine gute Idee. So könnte ich meine
Studiengänge (u.a. Chemie und Sprachen) um ein Einkommen ergänzen.
Ich hab mich kurzerhand telefonisch angemeldet, und bin vorbeigefahren.
Es war durchaus überraschend für die Ingenieure dort, dass sich jemand
so schnell meldete (vor dem Semesterende). Hendrik Augsten empfing mich
damals, und führte mich herum - er erklärte so einiges, auch damit wir
eine passende Tätigkeit finden. Bei den Messgeräten erwähnte er dann,
dass diese in Forth programmiert sind, was mich ermutigte zu erwähnen,
dass ich zu Teeniee-Zeiten mal selber ein Forth-system voll entwickelt
hatte.
Damit war meine Einstellung jedoch besiegelt, denn auch wenn ich Forth
für veraltet hielt, nicht im Traum daran dachte, dass es nochmal im
Job Bedeutung haben würde - hier war es bedeutend, denn es gab in der
stark gewachsenen Abteilung fast niemand, der sich mit den Interna von
Forth-systemen wirklich auskannte. Die meisten kannten Forth nur im Sinne
wie RPN Taschenrechner (Operator nach Operanden) um Berechnungen in die
Syntax einer draufgesetzen Sprache für (event-basierte) Zustandsmaschinen
einzubetten.
- Praktikum
Es dauerte dann noch eine Weile, bis zur eigentlichen Tätigkeit. In einem
Riesenkonzern wie Siemens war es nicht einfach, den Papierkram zu erledigen,
doch letztlich trat ich dann im August 1996 ein Praktikum an. Thema war,
wie sollte es anders sein, sehr Forth-spezifisch. Auf dem abschliessenden
Zeugnis steht "Entwicklung eines Debuggers für das Echtzeitmeßsystem
Siemens Protokolltester K1197 [...] wurde daher in der Sprache FORTH und
Motorola 68000 Assembler erstellt".
Ganz so einfach war das denn doch nicht. Irgendwie hatte keiner Zeit,
sich um den Praktikanten zu kümmern - es war eben schon der Anfang der
Boomzeit im Telekomsektor. Ich hab mir alle Arbeitsmittel irgendwie
zusammengeschnorrt, die Leute ausgefragt, was sie denn nun eigentlich
haben wollten (so richtig klar war das auch nicht), und am Ende etwas
abgegeben, dass zwar gut funktionierte, aber durchaus noch Nacharbeiten
bedurfte, um den Wünschen der Zielnutzer wirklich zu entsprechen. Also
der ganz normale Wahnsinn innovativer Entwicklung.
Vielleicht kommt auch daher mein Tick, hochgradig selbständig meine
Jobs zu organsieren - was später für jene überraschend war, die bei Tek
nur die offizielle Einstufung als "Student" kannten, dann aber überrascht
waren, dass ich selbst Projekte leitete, Sitzungen anberaumte und die
notwendigen Arbeitsmittel und Arbeitnehmer für die Aufgaben organisierte.
- Werkstudent
Nach dem Praktikum stand der nächste Schritt an - die Anstellung als
Werkstudent. Wie gesagt, die Expertise in Forth gab hier den Ausschlag.
Und wiederum dauerte es Monate, bis der Papierkram erledigt war, und
ich meinen Siemensausweis erhielt. Dies mag auch damit zusammenhängen,
dass die Abteilung kurz davor stand, aus der Mutterfirma ausgegliedert
zu werden.
Nach Beginn der Anstellung wurde ich also erstmal damit bombardiert,
kleine liegengebliebene Forth-Projekte zu begutachten (oft extern
durch die Firma Probus erstellt). An das meiste kann ich mich schon
nicht mehr erinnern, hängengeblieben ist der Forth-basierte SDL
Compiler, da ich mit SDL (Z.100) kurz zuvor im Forschungsjob gearbeitet
hatte.
In dieser Zeit war ich eben schlicht der Student der Firma, der
überall aushalf, wo es nötig war. In den folgende zwei Jahren wurde
die Firma schlappe dreimal (oder viermal?) rechtlich umgestaltet. Sie
wurde in eine eigene Firma ausgegliedert (Siemens Communication Test
Equipment), wechselte Räumlichkeiten, gewandelt in GmbH+Co, wieder
umsetzen, und schliesslich mit Mann und Maus verkauft an Tektronix,
die aus USA kommend sich in den Telekomsektor einkauften.
- Mitarbeiter
Ab Ende 1997 kamen dann neue Fragen auf, denn die alten Forth-basierten
K1197-Geräte sollten durch eine neue Generation ersetzt werden, die
auf einer Mehrkartenlösung mit Windows-Grafik und
VxWorks-Echtzeitbetriebsystem basierte. Die eigentlichen Simulationen
der Netzwerkprotokolle waren jedoch in Forth geschrieben. So entstand
die Aufgabe, ein Forth-system neu zu erstellen, dass genügend
rückwärtskompatibel für die alte Software war, aber in der Struktur
zukunftsfähig für die weiteren Jahre.
Mit Ende der 1990er setzte jedoch der Mobilfunkboom so richtig ein,
so dass grosse Teile der Zielsetzung, Design, die komplette Programmierung,
und wieder Teile des Testing und Support mir zufielen. Da einige Abteilungen
der ehemaligen Siemens Mutterfirma eigene Forth-basierte Netzprotokolle
hatten, lernte ich letztlich die komplette Serie der Arbeitsanforderungen
im entwicklungsnahen Bereich kennen, einfach weil sich niemand sonst
tiefgehend mit dem neuen Forth-System auskannte.
In dieser Zeit steckte ich tief drin im Arbeitsablauf der Firma. Für
ein echtes Studium blieb faktisch keine Zeit mehr, und ich habe einen
Riesenberg an Überstunden aufgebaut - denn rechtlich war ich ja als
Student eingetragen, und dass hiess, auf keinen Fall mehr als 20h
abzurechnen. Für den Rest überlegten wir uns, irgendwann für Arbeitszeit
Ausgleich zu sorgen - etwa für meine Diplomphase.
- Diplomand
Erst ab 2000/2001 beruhigte sich die Marktsituation, und ich nahm
wieder Aktivitäten an der Universität auf. Das war anfangs gar nicht
einfach, sich wieder umzustellen - die offengebliebene Studienarbeit
war erst 2002 abgeschlossen, während ich weiterhin im Job aktiv war,
und daneben zwei Todesfälle (Grossmutter und Vater) zu verarbeiten
hatte.
Nach den langjährigen kundenorientierten Anpassungen des Forth-systems
übernahm ich (neben der Wartung des Forth) im Job nun eine neue Aufgabe.
Über einen Projektauftrag war ein grafischer Editor erstellt worden,
mit dem man Zustandsmaschinen als MSC/HMSC (Message Sequence Diagram)
zeichnen konnte, und die in in Code unserer (dafür von mir schon
erweiterten) forth-basierten Ausführungsmaschine übersetzt wurden.
Die Arbeit wurde deutlich vielfältiger, reicher an unterschiedlichen
Anforderungen, auch dadurch, dass Mitarbeiter entlassen wurden und
Programme übernommen werden mussten. Es stand viel Arbeit an, doch
versuchte ich, mich zunehmend herauszuwinden, um mein Diplom schreiben
zu können, ohne dass Projekte gefährdet würden.
Im Studium warf ich mich nun voll auf die Bioinformatik, machte
alle Kurse, die in diesem Bereich bereitstanden, verlegte
schrittweise mehr Stunden in die Universität, und in 2004 war es dann
soweit, dass ich den gesammelten Urlaub und Überstunden nahm, um mich
eine Diplomarbeit zu schreiben. Dies war sehr gut - ich konnte das
Diplom abschliessen, und bezog ein Einkommen meiner Firma.
- Endzeit
Die Marksituation im Telekomsektor verschlechterte sich jedoch weiter.
Ich hatte mich ja schon selbst auf Bioinformatik geworfen, um ein
Standbein ausserhalb der Telekommunikation zu gewinnen. Ich hatte
jedoch vor, wenigstens ein oder zwei Jahre noch in der Firma Tektronix
zu verbringen, und beim Übergang der bisherigen Software auf die nächte
Platformgeneration mitzuwirken, die auf verteilten Linux-Rechnern
basiert.
Zwar stand ein Arbeitsplatz bereit (Test Tools entwickeln in der
Qualitätssicherung), aber die Mittel für die Übernahme wurden dann
kurzfristig doch nicht freigegeben. Für viele Mitarbeiter war es
dann überraschend, als ich aus der Firma ausschied. Und wegen ein
paar Problemen, die aus der schnellen Übergabe resultieren, stehen
wir noch in Kontakt.
Eine allgemeine Version der Forth-Software (ohne die spezifischen
Teile der Messgeräte) steht weiterhin als Opensource bereit, siehe
PFE.sf.net. Auch so etwa 20.000
Zeilen Code, die sich angesammelt haben. Der Rest ist viel
Erfahrung im marktorientierten Entwicklungsbereich der Industrie.
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