Langfristige Perspektiven
Die aktuellen Projekte des Lehrstuhls verfolgen
überschaubare, innerhalb weniger Monate oder Jahre
erreichbare Ziele. Sie sind allerdings eingebettet in
langfristige Perspektiven als ein Beitrag dazu, was
Informatik als Wissenschaft ausmacht.
Scheinbar absehbare Entwicklungslinien der Informatik
wurden schon oft durch massive Technologieschübe
substantiell unterbrochen und in andere Richtungen gelenkt.
Langfristige Perspektiven sind nur schwer zu formulieren und
können sich leicht als falsch herausstellen. Dennoch hat
die Beschäftigung mit solchen Perspektiven einen Sinn,
insbesondere auch zur Begründung kurzfristiger
Forschungsvorhaben. So folgt die Auswahl der Themen und
Projekte des Lehrstuhls folgenden Annahmen über die
mittelfristige Entwicklung der Informatik:
- Die Bedeutung von Modellen wächst. Der derzeit in
der Industrie noch übliche Arbeitsstil eines
Entwicklers, der aus einer umgangssprachlich formulierten
Aufgabenstellung heraus Programme schreibt, kann die
zunehmenden Anforderungen an Qualität, Wartbarkeit und
Korrektheit immer weniger erfüllen. Es mag lange
Utopie bleiben, ein der Intuition optimal entsprechendes,
mit den entscheidenden Systemeigenschaften ausgestattetes
Modell mit bewiesener Korrektheit nahtlos und
kostengünstig zu transformieren in ein Programm, das
in einer komplexen technischen oder organisatorischen
Umgebung effizient arbeitet. Als Maßstab
ingenieurmäßiger Konstruktionslehre ist diese
Utopie eine vernünftige Richtschnur.
- So wie zahlreiche ingenieurwissenschaftliche Gebiete
ihre Modelle ganz selbstverständlich mit
nichttrivialer Mathematik, insbesondere
Differentialgleichungen, formulieren, wird sich auch
für die Informatik eine Mathematik der Modellierung
durchsetzen. Bei aller Vielfalt ist absehbar, dass dabei
die Logik eine entscheidende Rolle spielt.