Wege der Distribution
Für die Verbreitung von Multimedia gibt es zwei grundlegende Ansätze. Die erste Variante sieht vor, die Multimediadaten auf einem Speichermedium zu fixieren und diese dann über Weiterverkäufer oder Direktversand zu vertreiben. Das können CDs, CD-ROMs, DVDs oder Disketten sein. Damit sind allerdings erheblicher logistischer Aufwand und Kosten verbunden.
Die zweite Variante ist die Übertragung von Multimediainhalten über das Internet. Die Netzwerkinfrastruktur ist in den Industriestaaten mittlerweile so hoch entwickelt, dass die Internetknotenpunkte heute eher unter- als überbelastet sind. Das bietet natürlich ein großes Potential, um auch hochwertige Multimedia zu verwenden. Das WWW kann also für Promotionzwecke verwendet werden, um ganze Alben zu verkaufen oder zu tauschen, Videos anzusehen, Podcasts anzuhören, Fotos zu veröffentlichen und vieles vieles mehr. Die Möglichkeiten sind nur durch die Eigenheiten der einzelnen Formate (streamingfähig? dekodieraufwändig? patentgeschützt? integrierbar?) begrenzt.
Selbstverständlich kann es nicht im Interesse der Industrie sein, wenn ihre Produkte unbegrenzt genutzt werden. Daher steht gerade die Peer-to-Peer-Technolgie (P2P; ein Benutzer verbindet sich direkt mit einem anderen zum Datenaustausch) als Brutstätte des Verbrechens und der "Raubkopien" [1] gebrandmarkt. Insbesondere die Entwicklung der BitTorrent-Distributionstechnologie hat in den Augen der Musik- und Filmindustrie zum kolossalen Eibruch bei den Einnahmen - sowohl auf dem CD-Markt, als auch bei den Kinos und Heimvideos - geführt. Diese Argumentation ist umstritten, denn sie lässt ausser Acht, dass das Internet die Speichermedien ohnehin zurückgedrängt hätte und die Industrie es versäumt hat, rechtzeitig "auf den Zug aufzuspringen", anstatt nur die P2P-Nutzer zu kriminalisieren und drakonisch zu bestrafen. Mittlerweile haben sich aber viele große Medienunternehmen zu Joint Ventures mit P2P-Entwicklern wie BitTorrent durchgerungen. Mit Sicherheit wird BitTorrent in den nächsten Jahren an Relevanz gewinnen.
Es lassen sich bei der Internetübetragung drei grundlegende Paradigmen unterscheiden:
- die Einbettung in HTML
- die Einbettung in andere XML-Formate, vor Allem RSS
- die Distribution über Peer2Peer
Einbettung in HTML
HTML bietet verschiedene Möglichkeiten, um Multimedia einzubinden. Am unproblematischsten ist das bei Bildern.
Bilder
Um ein Bild einzubetten, muss einfach nur ein img-Tag mit der Quellangabe gesetzt werden. Um XHMTL-konform zu sein, ist auch ein Alternativtext obligatorisch. Das title-Attribut erscheint später als Tooltip, wenn man mit dem Cursor das Bild berührt. <img src="bilder/muehsam.jpg" title="Erich Mühsam (1878-1934)" alt="Bild von Erich Mühsam" />

(Quelle: http://www.muehsam.de/cp/images/m6.jpg)
Das funktioniert selbstverständlich auch mit anderen Grafikformaten. Bei Vektorgrafiken wie SVG wird es etwas schwieriger, denn die sind ja selbst ebenfalls XML-Dateien. Um sie direkt im Quelltext der HTML-Datei einzubetten, müsste man zusätzlich im Head die DTD von SVG einfügen. Das ist allerdings mit den meisten Browsern problematisch, deswegen bietet es sich an, SVG-Grafiken als Objects einzubinden. Ein Objekt kann alles sein, solange dessen MIME-Typ (Datenart, Format)angegeben wird, es sich um eine gültige Quelle handelt und der Browser dessen Darstellung unterstützt. Das object-Tag kann auch leer bleiben, wird aber ein Inhalt angegeben, so wird dieser angezeigt, falls das Objekt nicht dargestellt werden kann:
<object data="bilder/Asymbol.svg" height="200" type="image/svg+xml">
<tt>Anscheinend unterstützt der Browser kein SVG. Schade...</tt>
</object>
(Quelle: http://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/7/7a/Anarchy-symbol.svg)
Sound und Video
Sound- und Videodateien in HTML einzubinden ist schon schwieriger. Standardkonformes XHTML kennt keine direkten Tags zum Einbinden von Sound oder Video. In HTML 4.0 gab es noch das embed-Tag und spezielle, nichtstandrdisierte browserspezifische Tags für solche Multimediaobjekte. In XHTML lässt sich das Problem am einfachsten über ein Flash-Applet lösen.
Flash ist eine Programmiersprache für Multimediaanwendungen, die auch interaktiv sein können. Hier kommt die Open Source Anwendung EMFF (Einfacher Musicplayer Für Flash) zur Anwendung. Es wird der Flashfilm als Objekt eingebunden, dem wiederum über die param-Tags Angaben zur eigentlichen Sound-Datei übergeben werdem.
<object type="application/x-shockwave-flash" data="emff_standard.swf?src=musik/Fraumderzeit.mp3&streaming=no" width="110" height="34">
<param name="movie" value="emff_standard.swf?src=musik%2Fraumderzeit.mp3&streaming=no" />
<param name="quality" value="high" />
<param name="bgcolor" value="#ECD7BB" />
Offenbar kann der Flash Movie nicht abgespielt werden. Schade.
</object>
Beispiel für eine eingebettete mp3-Datei
Interpret: Wizo
Titel: Raum der Zeit
Quelle: von CD gerippt
Mit Videos wird das Ganze noch einmal komplizierter. nach der Empfehlung des WWW Consortiums sollten sie über das object-Tag eingebunden werden. Das ist aber ausserordentlich schwierig, weil die drei großen Browser (Mozilla, Internet Explorer, Opera) jeweils unterschiedliche Implementationen erfordern. Für den Internet Explorer ist das aber relativ unkompliziert direkt mit HTML machbar. Man erstellt ein Object, weist ihm eine CLASSID [1] (Zeichencode, der die Art des Inhalts erklärt) und Als Parameter die Videodatei selbst zu:
<object id="Player" height="320" width="420" CLASSID="CLSID:6BF52A52-394A-11d3-B153-00C04F79FAA6">
<param name="URL" value="developers.mpg">
<param name="autoStart" value="true">
</object>
Beispiel für ein direkt eingebettes Video
Für alle anderen Browser bieten sich aber eher flashbasierte Lösungen an. Dafür wird hier der Flash Video Player genutzt, mit dem auf einfache Weise Videodateien im FLV-Format (dem MPEG-1-Format sehr ähnlich) eingebettet werden können und der unter Creative Commons lizenziert ist. Das Prozedere des Einbettens funktioniert analog wie bei der eingebetteten MP3-Datei: Ein Flash Movie wird als Objekt aufgerufen und erhält als Parameter den Pfad zur Datei.
<object type="application/x-shockwave-flash" data="flvplayer.swf?file=videos/emmagoldman.flv">
<param name="movie" value="flvplayer.swf?file=videos/emmagolfman.flv" />
<param name="wmode" value="transparent" />
</object>
Beispiel für ein flashbasiertes Video
Emma Goldman (1869-1940), alte Aufnahme aus der US Wochenschau im Jahre 1933.
(Quelle: http://youtube.com/watch?v=qa0WV5T6vHc)
Einbindung in RSS-Feeds ('Podcasts')
Eine in den letzten fünf Jahren immer weitere Verbreitung findende Form der Multimediadistribution sind die sogenannten "Podcasts". Das sind RSS-Feeds (Real Simple Syndication; ein XML Format, das über Aktualisierungen auf Webseiten informiert, auch Newsfeed), in die Links zu Audiodateien nebst Beschreibung und / oder Bild eingearbeitet sind. Der Benutzer kann sich mittels dieser Feeds die Audiodateien herunterladen, entweder direkt am PC oder auf einem tragbaren Gerät anhören und hat somit eine mit Radio vergleichbare Informationsquelle.
Die Bezeichnung "Podcast" ist allerdings unglücklich und irreführend. Der Begriff ist ein Portmanteau aus "Broadcasting" (dt: [Radioprogramm] senden) und iPod. Letzteres wiederum ist ein geschütztes Markenzeichen von Apple, die Produktbezeichnung einer Serie von tragbaren MP3-Playern. Apple freut sich natürlich über die enorme Publicity, die ihr der Begriff "Podcast" gewährt, scheut aber nicht davor zurück, cease-and-desist-Briefe [2] an Unternehmen und Personen zu verschicken, die missliebigen Gebrauch des Wortes betreiben. Auch denken unbedarfte Internetnutzer häufig, Podcasts wären nur mit einem solchen iPod zu nutzen, was keineswegs der Wahrheit entspricht. Daher sind momentan (Oktober 2006) Alternativen wie "Netcast" oder "Webcast" für RSS-Feeds mit MP3-Links im Gespräch. Selbstverständlich sind Podcasts nicht ausschließlich auf MP3-Dateien beschränkt. Neben anderen Audioformaten sind auch Videoformate möglich und durchaus verbreitet.
Auch bei Podcasts fällt die lizenzrechtliche Beurteilung nicht leicht. Das Prinzip von Webcasts ist auf selbstgesprochene Radioprogramme ausgerichtet. Kommt darin allerdings Musik vor, so muss diese entweder lizenzfrei ("podsafe") oder bei der entsprechenden Verwerungsgesellschaft (in Deutschland die GEMA) lizenziert sein. Natürlich gibt es auch viele Podcasts, die gegen das Urheberrecht verstossen, indem sie geschütze Musikstücke anbieten. Eine spezielle Schwierigkeit in Deutschland ist auch die Vertragsbindung an die GEMA, die es einem Künstler verbietet, seine Werke zusätzlich unter einer weniger restriktiven Lizenz, wie etwa Creative Commons, zu veröffentlichen.
Distribution mittels Peer-to-Peer
Die verbreiteten Netzwerkprotokolle (wie das TCP/IP, auf das HTTP aufsetzt) sehen alle vor, dass es die Unterscheidung Client und Server gibt, wobei allein der Server größere Mengen an Daten versendet und der Client, abgesehen von seinen Anfragen, nur passiverweise empfängt. Das Prinzip Peer-to-Peer (P2P) durchbricht dieses Schema, indem es dei Prinzipien "Client" und "Server" kombiniert. Jeder Benutzer wird so Teil des Netzwerkes, er sendet und empfängt Daten im Idealfall im gleichen Maße.
Zu den bekanntesten P2P-Systemen gehören FastTrack (auf dem das berüchtigte Tool Kazaa beruht), eDonkey2000/Overnet (bekannteste Tools: eMule und eDonkey2000) und BitTorrent (bekannteste Tools: Azureus und uTorrent). FastTrack und eDonkey2000 basieren aber auf dem Prinzip der Benutzerfreigaben, d.h. der Benutzer (Peer) erteilt anderen Benutzern Zugriff auf festgelegte Verzeichnisse seiner Festplatte. Das ist zwar präzise, aber ineffizient, weil das Auffinden von solchen Dateien schwierig ist und nur exakt gleiche Dateien von mehreren Quellen gleichzeitig geladen werden können. BitTorrent behebt dieses Problematik und beschleunigt das P2P-Prinzip enorm.
BitTorrent - ein Peer-to-Peer-Protokoll
| Entwickler | Bram Cohen |
|---|---|
| Erweiterung | .torrent |
| Lizenz | frei |
| seit | 2002 |
| Spezifikation | verfügbar |
Bei BitTorrent wird eine große Datei in kleine Stücke ("Chunks") eingeteilt. Diese Chunks werden, sobald sie fertig heruntergeladen sind, angeboten, ohne dass die gesamte Datei bereits fertig geladen ist. Daraus resultiert, dass ein ladender Nuter ("Leecher") schon vom ersten heruntergeladenen Stückchen der Datei zum Verteiler ("Seeder") wird. Dadurch können auch Peers mit geringem Upload die Daten weit verbreiten, weil sie in dabei von anderen Peers unterstützt werden.
Die Kommunikation bei BitTorrent findet entweder über sogenannte Tracker (das sind Programme, die auf einem zentralen Server laufen und die anfragenden mit den anbietenden Peers verbinden) oder komplett dezentral über DHT (Distributed Hash Tables - ein Algorithmus, der auf effiziente Weise Anbieter derselben Datei in einem Netzwerk ausfindig macht). Die Nutzung von Servern und die damit verbundene und kostenintensive Datenmenge wird so stark verringert, während die Downloadgeschwindigkeit für die Nutzer höher und stabiler ist
Das Protokoll von BitTorrent selbst ist Open Source und wird es wohl auch bleiben. Allerdings wird BitTorrent aufgrund seiner enormen Effizienz beim Übertragen großer Dateien für die illegale Distribution von Filmen, Programmen oder Audiodateien genutzt. Aber auch gänzlich legale Zwecke, wie die Vertreibung von Linuxdistributionen, von CC-lizenzierter Musik oder legal verfügbarer Multimediainhalte allgemein.
[1] CLASSID ist kein XHTML-konformes Element und macht diese Seite nicht XHML-konform. Es soll hier aber als Beispiel dienen, wie auf unkomplizierte Weise ein Video eingebunden wird. Ansonsten sind aber alle Seiten XHTML-konform.
[2] Cease-and-Desist-Briefe sind Unterlassungsaufforderungen. Der Begriff hat im Bereich des Internet eine besondere Bedeutung, denn cease-and-desist-Briefe werden meist von großen Firmen verschickt, in denen unter Androhung drakonischer Strafen und oftmals mit nicht haltbarer Begründung Einzelpersonen oder kleinere Firmen eingeschüchtert werden sollen.
